Trotz anstrengenden Tagen erhole ich mich sehr gut und dank den wärmeren Temperaturen, als erwartet, schlafe ich auch sehr gut. Voller Elan und Tatendrang brach ich in den zweitletzten Tag dieser Reise auf. Ich weiss nicht was los ist, aber ich laufe noch schneller als zuvor und kann das Tempo auch für lange Zeit halten. In der Dunkelheit wurden mehrere Hunde auf mich Aufmerksam, da ich auf dem Land unterwegs war. Bei einer Art Hundezwinger kamen circa 15 Hunde ans Gitter und bellten mich an und von hinten folgten mir noch fünf Strassenhunde, diese Situation liess meinen Puls kurzzeitig höherschlagen. Um sechs Uhr lief ich durch ein Dorf als gerade das Morgengebet aus einem Minarett abgespielt wurde. Mehrere Reisende erzählten mir schon Geschichten, dass sie von den Gebeten geweckt wurden, da die meisten länger schlafen und nicht so früh unterwegs sind wie ich. Der Sonnenaufgang blieb aus, da die Wolken die Sonne verdeckten und es ein grauer Tag war. Nach meinem letzten Abschnitt auf dem Land ging es in eine Vorstadt, wo ich einen Migros sah. Ich wusste gar nicht, dass es Migros-Supermärkte ausserhalb von der Schweiz gibt und im Verlauf vom Tag sah ich noch viele mehr.
Ich wusste, dass in den letzten Tag viel Urbaner Dschungel auf mich zukommen wird, aber es kam doch zu früh, da ich nicht gerne in Städten gehe. Heute kam eine Stadt nach der anderen und da muss ich jetzt durch, dafür ist das Ende in Sicht. Ab und zu sah ich wieder das Meer, was mich motivierte. Als ich neben der Hauptstrasse ging, hielt plötzlich ein Auto an und liess die Scheibe runter, der Fahrer sagte: «steig ein!». Wieder zögerte ich, dieses Mal aber da ich die letzten Tage durchlaufen wollte. Trotzdem gab ich mir einen Ruck und stieg zu Emre ins Auto ein. Von Anfang an machte ich klar, dass ich nicht zu weit fahren möchte, und Emre verstand das auch. In der Stadt Büyükçekmece liess er mich dann nach acht Kilometer raus. Während der Fahrt unterhielten wir uns ein wenig und er erzählte mit etwas über die Stadt. In Büyükçekmece lief ich an die Promenade und machte dort meine Mittagspause.
Da es während dem Tag immer noch grau und windig war, zog ich mich warm an. Ich hatte Probleme herunterzufahren, konnte aber trotzdem ein wenig schlafen. Nach der Verpflegung und den Nickerchen ging es noch 10km weiter. Während dieser Distanz lief ich nochmals durch eine grössere Stadt und es war der Horror für mich: überall Leute, starker Lärm und dann noch der gefährliche Verkehr. Ich war froh, als es wieder ruhiger wurde. In der Türkei ist es für mich schwieriger an Trinkwasser zu kommen. Ich muss mehr die Leute nach Wasser fragen als in Griechenland. Am Nachmittag füllte ich meine Flaschen noch bei einer Öffentlichen Toilette nach. Dort traf ich ein Mann der sich beim Waschbecken wusch, beim Rausgehen gab ich ihm eine kleine Tafelschokolade, da der Mann die besser gebrauchen konnte als ich.
Ich war gefasst, dass ich für die letzte Nacht keinen perfekten Schlafplatz finden werde, aufgrund der Städte. Auch wenn mein Zelt neben der Strasse steht und es eine laute Nacht wird, bin ich zufrieden und habe schon mit schlimmerem gerechnet. Ganz allein bin ich auch nicht, seit dem Aufbau des Zeltes ist eine Katze bei mir.
Ich werde noch sentimental, es ist mein letzter Abend auf dieser Reise. Ich bin so aufgeregt auf Morgen, bin aber auch traurig, dass es bald vorbei sein wird. Ich versuche noch an die wunderbaren Momente zu denken, bevor ich schlafen gehe und alles nochmals Revue passieren lassen.









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