Der Morgen fing ganz uninteressant an, ich entfachte das Feuer für den Tee und Joness nahm das Zelt zusammen, nachdem wir das Yoga im Zelt verrichteten. Da wir gestern viel liefen, waren es heute noch 27km an den Strand von Itatí. Wir liefen ein gemütliches Tempo, das für beide Nomaden passte. Nach dem Sonnenaufgang machte Joness mit seiner geliebten Drohne noch ein paar schöne Aufnahmen. Auch heute sahen wir wieder eine Gruppe Fahrradfahrer mit Geleitfahrzeugen, was es mit diesen Fahrradgruppen auf sich hat, erfuhren wir später.
Als wir an unserer Lieblings-Strasse von Argentinien entlang liefen, sahen wir auf einmal ein Fahrradfahrer, aber nicht irgendein Fahrradfahrer sondern das Fahrrad war gepackt mit Ausrüstung zum Reisen, wir wussten auf den ersten Blick es ist ein Seelenverwandter. Der Fahrradfahrer musste sofort lachen als er uns sah und fuhr auf uns zu. Es waren sofort so viele Fragen da von beiden Seiten. Der Mann den wir trafen heisst Bruno und ist Argentinier, er hat all seine Sachen gepackt und fährt jetzt mit dem Fahrrad durchs Land. Sein primäres Ziel ist 2000km mit dem Fahrrad zurück zu legen. Als wir erzählten, dass wir das in etwa laufen, fiel er fast vom Sattel. Bruno sowie auch wir hatten in den letzten Tagen ein Tief, aber dieses kurze Treffen hat Bruno und uns soviel gegeben. Wir haben uns mehrmals umarmt und einen Freund fürs Leben gefunden, dank der heutigen Technologie bleiben wir in Kontakt auf unseren Reisen. Bruno fuhr in den Osten und wir liefen in den Westen und unsere Wege trennten sich. Ich kann immer noch nicht beschreiben, was es für ein Gefühl ist einen Menschen zu treffen der den gleichen Sprung in der Schüssel und die gleiche Passion wie wir hat. Joness und ich fragten uns, ob wir auf unserem Weg jemanden treffen werden, der auch läuft oder mit dem Fahrrad grosse Distanzen zurücklegt und wie lange es dauern würde. 34 Tage ist die richtige Antwort. Nach dieser wundervollen Begegnung führten wir unsere Etappe fort.
Knapp vor 10Uhr erreichten wir Itatí. Am Eingang des Dorfes war ein Bauer, der seine Wassermelonen verkaufte (Joness liebt die Dinger). Da wir kein Geld hatten und direkt zur Bank wollten, sprachen wir nur das Übliche als Begrüssung mit dem Bauer. Wir merkten schnell, er will uns in ein Gespräch verwickeln. Wir wechselten die Strassenseite und sprachen mit dem Bauern. Der Bauer war so grosszügig und schenkte uns eine Melone, wir bedankten uns Tausend-Mal und hätten nie damit gerechnet. Mit der Wassermelone unter dem Arm ging es zur Bank. Ich wollte für umgerechnet Hundert Schweizerfranken Pesos abheben, aber der Bankomat hatte nicht so viel Geld, wir konnten trotzdem genügend Geld abheben, das bis Corrientes reicht. In der Nähe von der Bank war noch ein Supermarkt, wo wir auch noch einen Halt machten. Als wir danach alles hatten, ging es zum Campingplatz am Fluss. Auf dem Weg dorthin sahen wir die Kirche von Itatí und stellten fest, dass es ein Pilgerort ist und dass die ganzen Fahrradgruppen zur Heiligen Maria in die Kirche pilgerten. Vor der Kirche war ein grosser Markt und verschiedene Attraktionen mit Lamas und Ponys, was uns noch nicht interessierte, da wir zuerst unsere Sachen ablegen wollten. Komplett vollgepackt und mit Wassermelone unter dem Arm sagte der Mann vom Campingplatz, dass er keinen Platz mehr hat und ausgebucht sei. Wir klapperten danach ein Hotel und eine Herberge ab und wurden abgewiesen weil wir zu früh waren oder weil wir keine «Pilgerer» von der Kirche sind und keine Kreuze als Halsketten haben. Sehr genervt entschieden wir uns an den Strand zu gehen und die Siesta zu machen. Auf dem Weg dorthin wurden wir noch von jemandem angequatscht, der auch durch Argentinien pilgert. Er wollte mit uns sprechen, aber da wir nun endlich absitzen wollten, sagten wir dem Mann wir kommen später und Tranquilo.
Beim Strand angekommen genossen wir die Aussicht und dass wir eine weitere Etappe geschafft haben. Wir assen die geschenkte Wassermelone und legten uns auf unsere Luftmatratzen. Beim Fluss wuschen wir wieder einmal unsere Kleidung und uns selbst. Nach dem Waschen können wir sehen, ob wir uns gebräunt haben oder ob es nur Dreck war. Neben unserem Pausenplatz hatte es ein Toilettenhaus das eine Frau gereinigt hat. Wir fragten die Frau, ob wir die Rucksäcke bei ihr lassen können, um das Städtchen und die Kirche zu besuchen. Die Frau freute sich, dass wir sie gefragt haben und wir durften die Rucksäcke bei ihr lassen. Joness und ich freuten uns darauf wieder einmal ohne Rucksack durch die Gegend zu schlendern und Tourist zu sein.
Unsere Befürchtung, dass am Sonntagnachmittag schon viele Stände weggeräumt werden hatte sich bewahrheitet, aber zu unserem Glück hatte es noch Stände und noch zwei Lamas. Als wir die Kirche betraten stellten wir fest, dass wir von Asunción (Paraguay) bis nach Itatí (Argentinien) gepilgert sind und wir wahrscheinlich die ersten zwei sind, die sowas gemacht haben. Die Kirche ist wunderschön und die Jungfrau Maria steht im Mittelpunkt. Die Kirchen in Argentinien sind alle noch sehr jung, da die ersten Missionare vor rund 400 Jahren ihren Glauben in Südamerika verbreiteten. Auf dem Platz vor der Kirche können Fotos mit der Kirche als Hintergrund gemacht werden. Als Joness und ich das sahen, merkten wir, dass noch nicht jeder ein Handy mit Kamera im Hosensack dabei hat um ein Foto zu schiessen. So kann man noch ein Andenken vor der Kirche ausdrucken lassen und mit nach Hause nehmen. Der Computer mit dem gearbeitet wird, würde niemand in der Schweiz mehr anfassen, da wir alle schon neuere Geräte zu Hause besitzen. Ich wollte unbedingt noch ein Foto mit einem Lama, war aber nicht bereit dafür zu bezahlen, deshalb tat Joness so, als ob er die Kirche fotografiert und filmt während er mich neben dem Lama im Kasten hatte. Nach der Kirche kauften wir noch für den nächsten Tag ein und assen bei den Ständen, da wir genügend Geld hatten gebrauchten wir es auch. Während dem Laufen habe ich immer wieder von Milchshakes geträumt und in Itatí erfüllte ich mir diesen Traum. Für unsere Verhältnisse assen wir ungesund, aber wir waren froh über die Kalorien von Chips, Milchshake und Co.
Nach der Einkaufstour gingen wir zurück zur Toilettenlady und holten unsere Rucksäcke. Wir sprachen noch mit ihr und gaben ihr auch ein Trinkgeld, was sie sehr freute. Die Toilettenlady war so begeistert von unserer Geschichte und sagte: «viva la vida» - es lebe das Leben - und das ist genau das was wir tun. In Argentinien gibt es nicht solche Regeln wie in der Schweiz, weshalb wir ohne Probleme unser Zelt am Strand aufstellen und ein Feuer machen konnten. Joness und ich sassen im Sand, hörten dem Knistern des Feuers zu und sahen den Sonnenuntergang an (viva la vida). Ich weiss das wäre ein perfektes Ende, aber als die Sonne unterging kamen die Mosquitos hervor und als ich meine Zähne putzte wurde ich komplett verstochen und das in nicht einmal drei Minuten. Ich hörte schon viele Survivalgeschichten von Leuten, die wegen den Mücken durchgedreht sind. Als Joness und ich im Zelt waren verstanden wir es, da wir uns nicht mit Mückenspray eingesprayt hatten mussten wir leiden. Dank der Atemmeditation schafften wir es nicht komplett durchzudrehen und uns zu beruhigen.
Der heutige Tag lernte uns wieder soviel, aber dass wir von einer Herberge abgewiesen wurden weil wir keine Gläubigen sind brachte uns zum kochen. Ich Nachhinein sind wir froh, so konnten wir am Strand schlafen und machen was wir wollen. Leute die so wenig haben geben dir so viel und Leute die alles haben geben dir nicht einmal ein Glas Wasser.




























Hallo zusammen finde das super Waschraum macht weiter so
Schau immer wieder wo ihr seit auf der Karte auf Gold map