Tag 74: Río Tala-Buenos Aires

Von dem Lärm der Autobahn und der Raststätte hatten wir nicht viel mitgekriegt. Unser Schlaf ist viel besser geworden und wir können uns auch erholen. Auf den Raststätten hat es immer Automaten für heisses Wasser, da die Lastwagenfahrer am Morgen Wasser für ihren Mate brauchen. Wir nahmen das heisse Wasser für unseren Tee und trafen noch die letzten Vorbereitungen. Unser Toilettenpapier neigte sich zu Ende, weshalb wir noch von der Raststätte-Toilette ein bisschen auf den Weg mitnahmen. Joness und ich waren uns lange unschlüssig, ob wir neben der Autobahn oder auf dem Feldweg laufen werden, da es bei beiden Optionen grössere Distanzen zwischen Einkaufsmöglichkeiten hat. Durch einen Münzwurf wurde entschieden, dass wir neben der Autobahn laufen werden.

Anfangs hatten wir einen Feldweg neben der Autobahn, doch nach 12km mussten wir auf dem Pannenstreifen laufen. Bei jeder Möglichkeit füllten wir Wasser nach, da es wieder einen heissen Tag geben wird. Joness und ich peilten an, den 4. Tag in Folge über 40km zu laufen. Die Stimmung war prächtig und wir kamen gut vorwärts. Die Autobahnbrücken nutzten wir als Pausenunterstand, da es dort kühl war. Joness macht die Sonne nicht viel, aber die heissen Temperaturen verträgt mein Körper nicht so gut. Gegen den Schluss brauchte ich mehr Pausen als sonst. Joness zog das Tempo immer wieder an und dieses Mal war ich der, der versuchen musste das Tempo zu halten. Auf einmal fuhr ein Lastwagen vor uns auf den Pannenstreifen, Joness und ich schauten uns an und waren gespannt was passieren wird. Der Lastwagenfahrer sagte uns, wir sollen einsteigen und da es schon knapp 40Grad hatte überlegten wir nicht lange und setzten uns in den Lastwagen. Aus dem Fenster heraus sah ich, dass wir noch ein Stück hätten laufen müssen bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit.

Emanuel fuhr 4.5 Tonnen Soja bis nach Buenos Aires und half uns sehr in diesem Moment. Ich wollte im klar machen, dass wir nicht zu weit fahren, aber das hatte mässigen Erfolg, also schauten wir mal zu was passieren wird. Emanuel kaufte uns nach einer Mautstelle etwas zu trinken und zeigte uns das Leben aus seiner Sicht auf. Auch er ist nicht einverstanden mit den Geschäften der Regierung, ist aber komplett zufrieden mit seinem Beruf, was wir mit eigenen Augen sahen. Für Joness war es die erste Lastwagenfahrt und ihm gefiel am besten das Gehuppe, wenn zwei Lastwagen sich kreuzen. Emanuel fuhr immer weiter und wir Zwei merkten, dass es bald für uns zu Ende sein wird. Tatsächlich brachte uns Emanuel ausserhalb von der Hauptstadt und er fand noch einen Platz auf unseren Flaggen. Wir sind ihm sehr dankbar, da der äussere Ring von Buenos Aires nicht so freundlich aussah und wir nicht wussten, was sonst noch hätte passieren können. In einem Park ausserhalb der Stadt verliessen wir den Lastwagen und verabschiedeten uns.

Wir waren in einem Wechselbad der Gefühle, da uns Emanuel 100km fuhr und wir so plötzlich am Ziel waren. Joness sagte noch so schön, es ist wie der Anfang, da waren wir auch plötzlich in Asunción, da er weiss, wie sehr ich Geschichten mag die gleich enden wie sie angefangen haben. Wir schliefen nicht viel, da wir es kaum erwarten konnten zum Obilisken in der Stadt zu laufen, da das unser Ende von unserem Weg ist. Wir lachten und feierten schon, da alle Emotionen schon hervor kamen und dann war es soweit, wir konnten weiter laufen.

Wir waren wie zwei kleine Kinder am Weihnachtstag, die es kaum erwarten konnten. Mir ging es plötzlich nicht so gut, da ich die heissen Temperaturen spürte und im Verlauf des Tages nicht soviel ass. Ich ass und trank im Schatten und schnell war der Sprücheklopfer zurück. Wir genossen die letzten 11km, am Anfang liefen wir an wunderschönen Parks vorbei und danach ging es in die Stadt. Joness und ich dachten, wir sind in einem anderen Land, da wir noch am Morgen auf Feldwegen liefen und plötzlich in einer Grossstadt waren. Wir sahen das Theater und viele wunderschöne Gebäude in der Stadt und plötzlich war dieses weisse grosse Ding vor unseren Augen und wir wussten, wir haben es geschafft!

Wir sind von Asunción bis nach Buenos Aires gelaufen in 74Tagen und haben eine Strecke von 2165km zurückgelegt. Wir lachten, sangen und lagen uns in den Armen. Wir wurden komisch angeschaut, aber das war uns egal. Nach ein paar Fotos beruhigten wir uns und genossen den Moment. Komplett am Ende waren wir noch nicht, da es noch rund 500Meter ins reservierte Hostel ging. Froh waren wir, als wir angekommen waren und unsere Rücksäcke ablegen konnten. Den Abend verbrachten wir mit unseren Zimmerkollegen und gingen noch lecker Essen.

Es ist unglaublich, wir haben es geschafft. Wir werden die nächsten Tagen Ferien machen und ihr bleibt auch auf dem Laufenden. Auch beim weiter reisen wird es einen Blog geben. Wir gehen getrennte Wege, Joness geht zurück nach Paraguay in den Urwald bei den Hostettlers und ich werde die kühlen Temperaturen in Patagonien geniessen, wir werden uns danach wieder in Brasilien treffen, so der Plan.

Wir können unsere Emotionen nicht ausdrücken und nehmen uns jetzt die Zeit alles wirken zu lassen. Wir danken euch für das Lesen und die tolle Unterstützung, vielen Dank.

Joness und Urs

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