Tag 4 Gotthard Passhöhe-Faido

Unter meinem Tarp schlief ich unruhig, zuerst erwachte ich wegen zwei Frauen um 1 Uhr nachts, da die eine nicht in die Natur pinkeln konnte und als sie es geschafft hatte, liess sie einen Freudenschrei los. Später zog ein Teil des Gewitter gegen den Gotthardpass hinauf, was mich nicht so gut schlafen liess. Ich sah immer mal wieder Blitze, zu meinem Glück blieb das Gewitter jedoch weiter vorne im Kanton Uri. Ich habe ein Zelt und ein Tarp dabei. Da ich hier auf dem Gotthardpass mit Regen und Wind gerechnet hatte, habe ich nur das Tarp aufgestellt. Das Tarp ohne Zelt kann ich viel niedriger und windschnittiger benutzen und hält so besser gegen das Gewitter Stand.

Als mein Wecker um 0430 klingelte regnete es nicht mehr und ich konnte mich für den Tag vorbereiten. Zuerst wollte ich meinen warmen Schlafsack gar nicht verlassen. Aber ich musste früh los, da wieder heisse Temperaturen zu erwarten waren. Im Dunkeln und mutterseelenalleine begab ich mich auf den Abstieg auf der Tremola (alte Passstrasse). Unterwegs wurde ich von Murmeltieren entdeckt, ich hörte nur die Pfiffe aber sah keines der Tiere. Ich frühstückte auf dem Weg, da es auf der Passhöhe zu kalt war. Die Tremola hinunter zu laufen war für mich ein Highlight, da diese Strasse früher gebaut wurde um mit der Postkutsche den Gotthardpass zu bewältigen. Für die windige und nasse Nacht wurde ich mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt. Genau für solche Momente laufe ich gerne so früh los, ich habe meine Ruhe und sehe wie ein neuer Tag startet. Auf einmal sah ich eine Gams vor mir, wir beide hatten nicht miteinander gerechnet. Bevor ich den Aufnahmeknopf von meiner GoPro drücken konnte, floh das Tier.

Nach rund 400 Höhenmeter Abstieg, sah ich hinunter nach Airolo. Airolo liegt auf 1’200 m ü. M. In Airolo angekommen machte ich eine Pause vor der Kirche. Mein Tagesziel war Faido, der Vater meines Arbeitskollegen betreibt dort eine Schreinerei, sie wollte ich besuchen. Von Airolo ging es nach Faido auf den Schweizer-Wanderwegen. Die Wege führen entlang von Flüssen, Strassen und der schönen Tessiner Landschaft. In Quinto benötigte ich Wasser und fand keinen Brunnen, so sprach ich eine Anwohnerin an. Zuerst happerte es mit der Verständigung, da ich nicht italienisch spreche und die Frau nicht deutsch. Zum Glück gibt es noch die englische Sprache, so bekam ich mein Wasser. Zwischen Rodi und Faido lief ich in einer atemberaubenden Schlucht und wusste zuvor nichts davon, ich war froh diesen Weg gewählt zu haben. Pünktlich um 12 Uhr erreichte ich die Schreinerei. Alex, mein Kollege, zeigte mir den Betrieb seines Vaters und erzählte von mir. Ich ass mit Alex im Aufenthaltsraum, nach dem Mittagessen lud mich seine Familie zu ihnen nach Hause ein. Ich hatte mit diesem Angebot nicht gerechnet, nahm es aber gerne an. Alex und sein Vater arbeiteten noch in der Schreinerei und ich bekam Besuch von einer Kollegin. Zum Abendessen ging ich mit Alex und seiner Familie in eine Pizzeria.

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