Wenn man günstig Reisen möchte, empfehle ich die Mehrbettzimmer in einem Hostel. Ein Nachteil ist jedoch, wenn man das Zimmer mit acht Leuten teil, dass mindestens eine Person schnarcht. So war es auch in dieser Nacht. Meine Gabe ist: ich schlief ziemlich tief und hörte das Schnarchen erst, als mein Wecker klingelte. Meinen Rucksack hatte ich schon am Vorabend gepackt und ging für die Vorbereitungen in die Küche, so dass ich niemand störte. Ich spürte ein Stechen in meinem linken Fuss. Am Abend dachte ich, es sei vom Barfusslaufen über die das Kliff. Beim näheren Hinschauen sah ich einen Fremdkörper in meinem Fuss. Es war die Spitze einer Piniennadel. Alleine in der Küche operierte ich mit einer Nadel an meinem Fuss herum, das Malheur war schnell behoben und ich bereit für den nächsten Marsch.
Für mich reichte ein Tag Pause in Pula, ich fühlte mich ausgeruht und war bereit für die nächste Etappe. Meine Füsse fühlten sich gut an, ich spürte keine Blasen und auch die Fusssohle war in Ordnung. Ausserhalb der Stadt Pula, verliess ich die Strasse und lief auf Waldwegen. Nach einer Weile erreichte ich ein Schild mit roten Schriftzeichen, welches ich ignorierte, da ich die Sprache nicht entziffern konnte und mein Weg hier entlangführte. Natürlich erahnte ich, dass darauf «Betreten verboten» geschrieben war. 100m später kam ich auf eine Lichtung und plötzlich dachte ich an das Schild und dass im Balkan-Gebiet noch Mienensprengfallen liegen. Es war mir sehr mulmig beim Queren der Lichtung. Zu meinem Glück war alles frei und mein Verstand spielte mir einen Streich. Als der Waldweg zurück auf die Strasse führte, folgte ich diesem Weg. Den nächsten Supermarkt sollte ich erst viel später erreichen, deshalb fragte ich zwei Männer einer Baustelle nach Wasser. Einer reichte mir sofort einen Wasserschlauch, meinte ich soll aus meiner Flasche trinken und er fülle gleich wieder auf. Auch wenn ich die kroatische Sprache nicht kenne, irgendwie verstanden wir uns sehr gut, zum Abschied rief der andere Mann «Good Luck» von der Baustelle. Mit einem breiten Grinsen lief ich weiter.
Um 10 Uhr hatte ich bereits 27km zurückgelegt und erreichte ein Dorf mit einem Supermarkt. Zuerst ging jedoch zur Kirche und verpflegte mich dort kurz im Schatten. Einen eintreffenden Radfahrer fragte ich in englischer Sprache, wohin ihn seine Reise führen würde. Seine Antwort war «Rijeka», eine Stadt 100km entfernt von Pula. Wir fanden schnell heraus, dass wir beide Schweizer sind. Der Radfahrer heisst Simon, er reist ein halbes Jahr mit dem Fahrrad. Simon und ich gingen dann zusammen zum Supermarkt, Wasserfüllen am Brunnen und tauschten uns über unsere Reisen aus. Wir genossen es beide, wieder einmal Schweizerdeutsch zu sprechen und jemanden kennengelernt zu haben, der ähnlich reist. Das Interessanteste war für mich die Reisedauer: Simon benötigt 27 Tage mit dem Fahrrad nach Barban und ich benötigte 29 Tage. Meine neue Bekanntschaft hat aber bereits längere Route zurückgelegt, doch mein Tempo ist tatsächlich richtig hoch. Simon schwang sich danach auf seinen Drahtesel und ich ging meines Weges. Simon und ich bleiben in Kontakt, wer weiss, vielleicht treffen wir uns irgendwo wieder einmal.
Nach der coolen Bekanntschaft lief ich eine weitere Stunde. Mein Weg führte durch ein Naturreservoir. Ich suchte das Wasser nach Schildkröten oder Schlangen ab, sah jedoch nichts ausser Fischen. Nach dem Naturreservoir fand ich einen Platz für die Pause. Mein Pausenort war nicht sehr luxuriös, ich lag auf einem Kiesplatz neben der Strasse. Aber das war mir egal, Hauptsache ich hatte Schatten.
Gestärkt durch mein Mittagessen lief ich weiter. In einem Dorf erledigte ich Einkäufe und plante noch ein einige Kilometer zu laufen. Ich lief durch ein Waldstück und war froh, dass ich mir den Weg auf meiner Smartphone-App anzeigen liess, da ich bereits zweimal falsch abgebogen war. Vor mir türmte sich ein Gewitter auf, gleichzeitig brannte mir die Sonne in den Nacken. Zum Glück war das Gewitter nicht direkt über mir, während ich durch einen Wald lief. Kurz nach Verlassen des Waldes schlug nahe ein Blitz ein, aber das Gewitter und der Regen blieben aus. Etwas Gutes hatte das Gewitter: ein wunderschöner Regenbogen bildete sich vor mir. So folgte ich weiter meiner Route und fand meinen Schlafplatz neben einem Wald. Als ich beim Kochen war, lief ein älterer Herr an mir vorbei. Wir sprachen miteinander, er ging weg und kam zurück Geschenken: Früchte, welche er im Wald geerntet hatte. Eine weitere halbe Stunde später beschenkte mich der Mann erneut mit weiteren Früchten. Ich bedankte mich 1000mal und bin ihm sehr dankbar. Ich liebe solche Momente, genau deshalb mache ich solche Reisen. Wenn man nicht damit rechnet, geschieht Grossartiges.









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