Während ich mein Zelt zusammenrollte, spürte ich Regentropfen. Hastig packte ich alles in meinen Rucksack, so dass möglichst alles trocken blieb. Die Aufregung war umsonst, ein Regenschauer blieb aus. Ich benutzte meinen letzten Wasservorrat für den Frühstückstee, weshalb ich einige Meter zurücklief und bei einem Ferienhaus an einem aussenliegenden Wasserhahn meinen Vorrat auffüllen konnte. So war ich bereit für meinen heutigen Wandertag, der mich über zwei Berge führen soll.
Noch in der Dunkelheit lief ich durch einen Wald. Ich kam nicht besonders gut vorwärts, den Weg musste ich immer wieder kontrollieren und kam auch mal von diesem ab. Zurück auf meinem Weg erreichte ich eine Tafel mit dem Hinweis auf «schwieriger Weg» – das werde ich schaffen. Die Tafel war zu Recht aufgestellt: Ich musste mich an montierten Seilen hinaufziehen, da es sehr steil war. Mit einer Hand zog ich mich am Seil hinauf und mit der anderen Hand stiess ich mich mit meinen Wanderstöcken ab. Nach diesem kräftezerrenden Aufstieg, fragte ich mich, wieso ich nicht auf der Strasse geblieben bin. Die Antwort lieferte das eindrückliche Morgenrot – meine Mühe hatte sich gelohnt. Der restliche Weg zum Gipfel war angenehm steigend und ich kam sehr schnell vorwärts. Die Wanderwege in Kroatien werden anscheinend nicht so oft gewartet, meine Beine waren regelrecht zerschnitten von den Dornen. Auf dem 474m hohen Gipfel (Standar) angekommen genoss die schöne Aussicht auf das Meer.
Direkt danach folgte der Abstieg bis zu Dorf auf Meereshöhe, den ich teilweise rennend zurücklegte. Meine Wander-App empfahl mir nach dem Abstieg einen weiteren Berg, den ich aber ausliess und der Strasse entlang zu Richtung Hafen lief. Um 11 Uhr erreichte ich den Hafen, durch den nicht bezwungenen zweiten Berg ersparte ich 2 Stunden. Zum Hafen kürzte ich den Weg durch einen Wald zusätzlich ab. Am Hafen trockneten gerade zwei Radfahrer ihr Zelt, die mich fragten, von wo ich herkäme. Sie zwei wollten ebenfalls auf die Fähre. Mein Timing war perfekt, die Fähre legte gerade an. Ein Hafenarbeiter kam vorbei und kontrollierte unsere Billette. Da ich abgekürzt hatte, hatte ich offensichtlich die Ticketverkaufsstelle verpasst. Auf dem Schiff gäbe es keine Billette, man zeigte mir den Weg zum 100m entfernten, etwas höherliegenden Kassenhäuschen. Ich deponierte meinen Rucksack und joggte die Strasse hinauf, ich war überrascht, wie schnell ich ohne Rucksack unterwegs war. Nach einem fulminanten Sprint und Ticketkauf erreichte ich die Fähre und meinen Rucksack. Die Autos waren immer noch an der Auffahrt zur Fähre, ich hätte mir also Zeit lassen können. Hatte ich tatsächlich noch zu viel Energie? An Board traf ich wieder meine französischen Freunde, sie hatten ihre Bikes deponiert und wir setzten uns aufs Deck. Eine italienische Familie sprach mich während der Überfahrt an, da sie mich mit meinem Rucksack gesehen hatten und waren sehr beeindruckt von meinem Weg. Für mich ist das, was ich mache nichts Spezielles, ich mache es einfach gerne, es ist meine Leidenschaft.
Nach einer 20-minütigen Überfahrt erreichten wir den Hafen von Cres. Während ich von Board ging, fing es an zu regnen. So verbrachte ich meine Siesta bei einer Bar/Kaffee und genoss eine Pizza. In dieser Zeit sprach ich mit einigen Leuten unter anderem mit zwei jungen Frauen aus Deutschland, welche durch Europa reisen und hin und wieder durch die Länder wandern. Sie gaben bei mir an, dass sie 300km in einem Monat liefen. Ich erwiderte nur, dass ich heute meinen 1000. Kilometer geschafft hatte, was die zwei sprachlos machte. Während der Mittagspause konnte ich die Akkus meiner elektronischen Geräte aufladen und meinen Proviant auffüllen, da der nächste Supermarkt 26km entfernt ist vom Hafen.
Ein Wanderweg würde in das Innere der Inseln führen, aber ich entschied mich der Strasse entlangzulaufen, da ich so noch zwei kleinere Dörfer passierte, wo ich mir Wassernachschub erhoffte. Ich war fasziniert von der traumhaftschönen Aussicht und genoss es dort entlang zu laufen. Bei einem kleinen Inseldorf fragte ich eine Frau auf ihrem Balkon nach Wasser. Sie erfüllte meine Bitte, während dem ihr Mann mit mir in Italienisch sprach. Zurück auf der Strasse kreuzten drei Schafe meinen Weg, ich war sehr perplex und hatte nicht damit gerechnet. Lustigerweise lief meine Kamera in diesem Moment und ich habe alles auf Band. Kurz danach fand ich einen Schlafplatz.
Ich genoss die traumhafte Aussicht und verfolgte den Sonnenuntergang. Ich fühle mich sehr wohl in Kroatien und bin glücklich. Dass ich heute meinen 1000. Kilometer bereits absolviert hatte, finde ich cool, doch mehr freue ich über die neuen Begegnungen und Geschichten.









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