Tag 37 Jadrtovac- Rudine

In den letzten Tagen ist es am Morgen immer sehr kühl und ich möchte meinen Schlafsack oftmals nicht verlassen. Da aber meine Motivation so gross ist, packe ich dann schnell zusammen und möchte weiterziehen. Mein zweitletzter Tag vor meiner Pause in Split hat normal gestartet. Zuerst lief ich dem See entlang, bis ich wieder die Strasse erreichte. Neben der Strasse sah ich eine «Vorsicht Wildschwein-Tafel», bis jetzt habe ich zwar noch keine gesehen, aber mein Kollege der Marc, dem ich ich einige Tage über die Inseln lief, hatte unfreiwilligen Kontakt mit einem Wildschwein und ich möchte euch die Geschichte erzählen:

Neu in Kroatien fand Marc einen schmalen Pfad. Er erkannte diesen Pfad nicht als Wildwechsel (Pfad für Wildtiere). Während mein Kolleg schlief, hörte er einen lauten Knall – es war ein Wildschwein, welches auf seinem üblichen schnellen Spaziergang war und in das Zelt von Marc gerannt war. Bei dem Kontakt zwischen Wildschwein, Zelt und Marc gab es zum Glück keine Verletzte und mein Kollege wechselte noch während der Nacht seinen Schlafplatz.

Mein Weg führte mich in ein kleines Dorf. Ich fand bei der Kirche Trinkwasser und daneben ein Lebensmittelgeschäft. Da noch unklar war, was der heutige Tag für mich bereithielt, kaufte ich für den ganzen Tag ein. Danach lief ich mehrheitlich durch kleine Dörfer und ich hatte Kontakt mit dem einheimischen Kroatien. Die Einheimischen verkaufen oft an kleinen Strassenständen Obst, Olivenöl oder Knoblauch. Ich kaufe bei einem solchen Verkaufsstand Trauben und Feigen ein. Immer noch pflücke ich mehrere reife Feigen auf meinem Weg, aber ich wollte den lieben Leuten etwas zurückgeben. Als Dank für den Einkauf gab mir die Verkäuferin zusätzlich zwei Äpfel und etwas Wasser mit auf den Weg. Die Gastfreundschaft der Leute ist phänomenal. Die eingekauften Früchte trug ich im Plastiksack der Strasse entlang, bis ich ein passendes Plätzchen für eine Pause fand. Neben meinem Pausenplatz verkaufte ein älterer Mann Olivenöl. Er versuchte mir etwas mitzuteilen, leider konnte ihn nicht verstehen. Während ich ass und meine Schuhe wechselte, stand der Olivenölverkäufer einen Meter neben mir und beobachtete mich. Als er meine Schuhe anprobieren wollte, brach ich meine Pause ab und ging weiter. Ich denke, der Verkäufer war nur sehr interessiert an mir und hatte so jemanden wie mich einfach noch nie zuvor gesehen, aber es war für mich auch etwas unheimlich.

Heute fand ich überall auf meinem Weg Trinkwasser und konnte dadurch Geld sparen – heute trank ich über sieben Liter. Auch wenn es kurzzeitig geregnet hatte, war es trotzdem durstiges Wetter. Kurz vor meiner Mittagspause fragte ich eine Frau nach Wasser und schätze die Gespräche mit den Einheimischen, auch wenn es durch die Sprachbarriere sehr chaotisch ist. Meine Mittagspause verbrachte ich in einem Wald, der auf meinem Weg lag.

Da ich bei meinem Pausenplatz keine Trinkwasserstelle fand, lief ich weiter und verkürzte dadurch die Distanz nach Split. Der Weg war grossartig, ich lief durch Wälder und über Berge. Auf meinem Pfad sah ich endlich wieder einmal Kühe, welche ich vermisste. Von den Bergen hatte ich eine wunderschöne Aussicht auf das Meer und Split. Die Ziegen, Esel und Pferde rundeten das ganze Feeling ab. Ich denke, dies war ein guter Vorgeschmack auf die Länder, welche noch vor mir liegen. 20km vor der Stadt Split fand ich einen Wasseranschluss bei einer Kirche. Beim Spielplatz neben der Kirche stellte ich mein Zelt auf und wollte schlafen gehen. Bevor ich gestern schlafen ging, ist noch etwas Erwähnenswertes passiert. Während dem Zeltaufstellen wurde ich von den Anwohnern entdeckt. Ein Vater kam mit seiner Tochter zu mir. Zuerst sagte der Mann, dass ich nicht dortbleiben kann. Doch mit meinem sympathischen Charme und weil ich Katholik bin, durfte ich doch bleiben. Der Vater brachte mir sogar noch Wasser. Schnell hatte sich das Blatt gewendet von einem unerwünschten Gast zu einem Freund. Nach der kurzen Aufregung meinen Platz zu verlieren, legte ich mich schlafen.

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