Tag 46: El Somberito-Reconquista

Es gibt Nächte, da sind wir sehr froh um unsere Schlafsäcke und die heutige Nacht wurde wieder kühl. Mich traf man trotzdem in kurzer Hose und mit T-Shirt an, mein Laufkollege zog sich zusätzlich eine Jacke an. Der Mond leuchtete noch sehr hell am Morgen und kurz nachdem der Mond unterging, ging die Sonne auf.

Da wir die Route änderten, ging es wieder einmal an die Strasse. Ich hatte heute mehr Mühe mit der Strasse als Joness. Mein Kollege reduzierte das Tempo und hatte Freude am Laufen, ihm ging es heute grossartig und er war glücklich. Ich war komplett in meinen Gedanken versunken, als plötzlich ein Lastwagen neben uns heran fuhr und anhielt. Er fragte uns, ob wir laufen wollen, perplex antworteten wir mit «Si». Der Lastwagenfahrer fuhr fort und wünschte uns viel Glück. Als der Mann mit seinem Lastwagen davon fuhr realisierten wir erst, dass er uns mitnehmen wollte. Uns Zwei lief es aber zu gut und wir wollten laufen. Ich hörte immer mal wieder Joness singen hinter mir, er genoss das schöne Wetter. Auf einmal hörte ich Joness rufen und sah, dass er von einer Brücke aus ein Foto machte. Joness lief mit einem grossen Grinsen zu mir und fragte mich ob ich den Kaiman auch gesehen habe. Ich musste leider verneinen und Joness zeigte mir ein Foto von einem zwei Meter grossen Krokodil. Wir beschlossen nicht mehr zu einem Fluss zu gehen um Wasser zu holen, da uns bewusst wurde wie viele es um uns herum haben musste.

Der Vorteil ist, wenn man an der Hauptstrasse läuft, dass man immer an Dörfern vorbei kommt. Nach 23km erreichten wir ein kleines Dorf. Auf der Suche nach einem Pausenplatz fanden wir wieder einen Unterstand bei der Kirche. Bei dem Unterstand hatte es Strom, Toiletten und das Wichtigste: genügend Schatten. Die Sonne brannte immer stärker, ausserhalb des Unterstandes hatte es 35Grad. Da aber ein kühler Wind bei uns durch zog, brauchten wir unseren Quilt (Schlafsack). Wir beide schliefen sehr lange, mussten auch den Schlaf nachholen den wir in der Nacht nicht fanden. Nach der Siesta waren noch sechs Kilometer geplant nach Las Garzas. Die Strecke legten wir gut gestärkt in einer guten Zeit zurück und waren bereit, nach einem Einkauf in dem Dorf in den verdienten Feierabend zu gehen. Es kommt vieles anders als gedacht.

Beim Einkauf blieb ich draussen bei den Rucksäcken und sprach mit den Leuten. Joness kaufte für uns ein. Auf einmal fuhr ein Mann neben das Geschäft und fragte uns, ob wir mit ihm mitfahren wollen. Ich kam zuerst nicht mit der Situation klar, da ich zuvor nichts mit dem Mann gesprochen habe. Ich ging zu Joness und sagte: «Draussen ist ein Mann in einem Auto und möchte uns fahren». Joness sagte «wieso nicht». Wenn ich alleine gewesen wäre, wäre ich nicht zu dem Mann ins Auto gestiegen aber mit Joness zusammen, dachte ich auch, wieso nicht. Der Mann öffnete den Kofferraum und wir sahen, der Mann hatte einen Gips am Bein und fuhr Auto. Wir legten unsere Rucksäcke ins Auto und nahmen Platz. Ich sagte ihm, wir wollen nur ein «paar» Kilometer mitfahren. César fuhr die Hauptstrasse entlang und wir sprachen miteinander. Nach einer Weile sagte ich ihm schon zum dritten Mal, dass es genug sei und wir raus wollen, aber César fuhr immer weiter. Joness und ich schauten uns nach geraumer Zeit an, uns wurde unwohl da wir nicht wussten wann wir aus dem Auto kommen. Ich probierte ihm zum fünften Mal klar zu machen, dass wir raus wollen. César sagte uns, es geht noch fünf Kilometer. In Reconquista fuhr César an den Campingplatz Municipal. Beim Aussteigen bedankten wir uns beim Fahrer und wollten ihm etwas Geld geben, da wir doch 30 Minuten gefahren sind. César lehnte ab, wir machten dafür noch Fotos und er durfte auf unseren Fahnen unterschreiben. Wir wussten zuerst nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollen, da wir jetzt eine grosse Strecke mit dem Auto zurückgelegt haben. Joness und ich gingen zum Campingplatz und stellten unser Zelt auf. Ich entfachte das Feuer und wir überlegten was wir jetzt tun sollen, da unsere geplante Etappe bis nach Weihnachten aufgeht. Ich schlug vor, dass wir zuerst Essen sollen, da wir beide müde sind. Beim Essen wurde uns klar, dass César uns einen Tag geschenkt hatte und wir einen Tag mehr Pause machen können.

Wir waren so im Film mit dem Laufen, dass wir uns wie zwingen mussten, einen Tag Pause zu machen. Wir denken, dass César genau im richtigen Moment kam, da wir noch fünf Tage bis Weihnachten laufen und uns eine Pause gut tut, da wir schon wieder eine Woche unterwegs waren. Der grandiose Tag war noch nicht zu Ende, auf dem Campingplatz wurden wir mit Wasser und Brot beschenkt und hatten tolle Gespräche. Ein Mann dankte uns, dass wir Reconquista besuchen.

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