Tag 45: Villa Ocampo-El Somberito

In der Nacht wurde ich vom Krümmelmonster geweckt, als ich meine Augen öffnete, sah ich Joness Crackers essen um 01Uhr in der Nacht. Er erzählte mir am Morgen, dass er in der Nacht von Angelo Malisanovic (seinem Mitbewohner) geträumt hat und deshalb Hunger bekam. Joness pflückte noch ein paar Orangen und dann liefen wir schon den 45. Tag. Mit der Sonne im Rücken ging es Richtung Süden.

Um 08Uhr erreichten wir den 1234.km - wieder ein Meilenstein - und was uns mehr erfreut, es sind keine 1000km mehr bis nach Buenos Aires. Auch wenn wir noch mehr als einen Monat unterwegs sind, ist Buenos Aires fast schon greifbar, aber zuerst gibt es noch die verdienten Weihnachtsferien. Wir liefen einen kleinen Umweg, da uns ein Mann erzählte, dass es in Las Clarita (ein kleines Dorf) eine Einkaufsmöglichkeit hat. Auf dem Weg dorthin hielt ein Auto neben Joness und gab ihm eine Wasserflasche, der Mann wünschte Joness «Suerte» (Glück).  Wir sind solchen Leuten extrem dankbar.

In Las Clarita angekommen, kamen wir an eine Schule. Wir fragten eine Putzfrau nach Wasser und die Damen waren so freundlich und füllten uns alle Plastikflaschen auf. Wir kamen mit den drei Frauen ins Gespräch und es gab als Erinnerung ein Foto. Eine Frau gab uns zum Abschied noch je eine Banane auf dem Weg und wir dachten es könnte nicht mehr besser werden. Da wir unser Morgenziel von 23km erreicht hatten, fragten wir noch nach einem Siesta Platz. Die Frauen zeigten auf das Ende des Dorfes, dort war neben der Kirche ein grosser Unterstand. Wir bedankten uns und verabschiedeten uns. Der Platz neben der Kirche war grossartig, wir hatten Strom, fliessend Wasser und genügend Schatten. Alles was wir benötigen. Wir reinigten unsere Kleidung und uns, als ein Mann neben den Unterstand fuhr. Ich ging raus um zu plaudern und uns vorzustellen. Der Mann war ganz fasziniert von uns und es stellte sich heraus, dass Carlo Schweizerwurzeln hat und er erzählte uns, dass es in der Umgebung viele Deutsche- und Schweizerkolonien hat. Carlo erzählte uns noch sehr viel von der Umgebung und vom Land. Ich ging mit Carlo auf die andere Strassenseite wo sich ein Kiosco und eine Bar befand, ich kaufte etwas ein und ging zurück zu Joness. Als wir schon bei unserem Platz schliefen, kamen zwei Männer rein und weckten uns unsanft. Als ich meine Augen öffnete , sah ich einen Mann mit einer riesigen Schrottflinte, auf den zweiten Blick sah ich, dass es ein Polizist war. Joness wollte nur schlafen, sah aber dann den zweiten Polizisten mit Schlagstock und Handschellen. Wir versuchten schnell die Lage zu beruhigen, aber die Schrottflinte machte es nicht einfacher. Wir erzählten den Polizisten, dass uns die Frauen von der Schule den Platz gezeigt haben und wir auch noch Carlo gefragt haben. Die zwei Polizisten verstanden unsere Reise nicht, merkten aber schnell, dass wir freundlich sind und nichts tun. Da wir unsere Kleidung gewaschen haben, stand ich in Unterhosen da, die zudem noch verlöchert sind. Es stellte sich heraus, dass eine Frau die Polizei gerufen hat, wie in den vergangenen Tagen. Die Polizei wird in Argentinien sehr schnell gerufen, da die Leute in Angst leben.

Als die Polizei ging, kam ein paar Minuten später der Besitzer der Bar gegenüber mit seinem Sohn und entschuldige sich für das Verhalten einer Bewohnerin. Carlo kam später auch noch und den Leuten tat es Leid. «Jetzt kommen mal Leute von ausserhalb in unser Dorf und wie werden die behandelt» so Carlo. Als wir schon wieder schliefen kam nochmals der Besitzer der Bar und brachte uns: Wasser, Pizzen, 1kg Kekse und Zitronenbrause. Wir waren überwältigt von den Geschenken und möchten nochmals Danke sagen und hoffen, dass sie den Text hier lesen. Mit den Töchtern des Mannes haben wir noch Instagram und die Internetseite des Bloges ausgetauscht. Nach dem leckeren Essen, kamen wir zwei Caminandos doch noch zu unserem Schlaf.

Gut genährt und ausgeruht ging es für uns am Nachmittag weiter. Joness und ich waren froh um den Wind, da wir keine Wolken als Schutz mehr haben. An einem kleinen Bauernhof sahen wir einen Mann, wir nutzten die Chance und fragten nach Wasser. Zu unserem Glück wurde nicht die Polizei gerufen und wir bekamen unser Wasser. Wir sprachen noch ein bisschen mit dem Mann und er riet uns an der Strasse laufen, mit der Begründung, dass in den nächsten 37km kein Dorf mehr kommt. Wir sind sehr dankbar und hielten uns an den Rat. Auf dem Weg zu Strasse 11, stellten wir unser Zelt hinter Büschen auf, so das man es von der Strasse aus nicht sieht.

Zum Abschluss dieses aufregenden Tages, gab es noch einen wunderschönen Sonnenuntergang. Die nächsten zwei Tag werden wir wieder einmal an der Strasse laufen, dafür werden wir genügend Einkaufsmöglichkeiten haben.

Die Leute in Argentinien haben sehr Angst, da das Land im Wandel ist. Aber wenn man freundlich ist und zeigt, dass man keine bösen Absichten hat, lernt man den Stolz und die Gastfreundschaft von diesen grossartigen Leuten kennen.

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