Nach einer geplagten Nacht war ich froh weiter gehen zu können. Da es die ganze Nacht geregnet hatte, kamen die Mücken zu mir und stachen mich ins Gesicht. Mitten in der Nacht sprühte ich mir Mückenspray ins Gesicht, natürlich mit geschlossenen Augen und danach hatte ich meine Ruhe. Trotz unruhiger Nacht fühlte ich mich am Morgen erholt. Ich verliess die Bruchbude und startete in einen neuen Tag. Die Regenjacke war griffbereit auf dem Rucksack, da der Regen aufgehört hatte, ich aber nicht wusste wann es wieder anfangen soll. Schnell kam ich auf Temperatur, aber ein kalter Gegenwind kühlte mich immer wieder aus, weshalb ich meine Jacke noch nicht abzog. Diesen Tag blieb es einmal ohne wunderschönen Sonnenaufgang. Es war eher typisches Fernsehwetter: nass, kalt und dreckig. Die Wege wurden durch den Regen aufgeweicht und ich rutschte einige Male weg.
Meine Motivation und Energie waren hoch und ich wollte so schnell wie möglich in die Türkei. Bereits um 10Uhr erreichte ich Kastanies, mein letztes Dorf in Griechenland. Bei einem kleinen Supermarkt kaufte ich noch Bananen und Schokolade ein, so brauchte ich meine Euro Münzen auf. Ich kam mit dem Verkäufer ins Gespräch und er meinte nur «Ich laufe zu viel und zu schnell». Schmunzelnd machte ich mich zur Grenze auf. Brav reihte ich mich zwischen den Autos ein, als ich an der Reihe war sagte man mir: «ich darf nicht zu Fuss über die Grenze und muss mir eine Mitfahrgelegenheit suchen!» Frustriert lief ich an die Seite und wartete auf eine Mitfahrgelegenheit. Zwei Grenzpolizisten kamen noch zu mir und erklärten mir die Lage. «Vor zwei Jahren hatte die Türkei über 30’000 Immigranten nach Griechenland geschickt und alle gingen zu Fuss über die Grenze» seitdem ist es nicht mehr möglich über die Grenze zu spazieren. Bei der Grenze im Süden wäre es möglich und ich überlegte mir schon in den Süden zu gehen und dort über die Grenze, so wie es mir alle geraten haben. Die ersten Versuche scheitspendieren und niemand wollte mich mitnehmen, eine Familie liess nicht einmal die Scheibe runter, um mit mir zu reden. Aber auch verständlich würdet ihr irgendjemand über eine streng kontrollierte Grenze mitnehmen?
Komplett frustriert wagte ich noch einen Versuch und «wenn es nicht gelingt, gehe ich mittels Autostopps in den Süden» sagte ich mir und sprach einen Mann an, der alleine mit seinem Auto über die Grenze wollte und es klappte, er nahm mich mit. Wir verliessen Griechenland aber kamen nicht weit, da die türkischen Grenzbeamten ihren Job sehr ernst nehmen, brauchten wir für 300m rund zwei Stunden. Die Zeit als wir im Stau standen, nutzte ich fürs Schlafen, Essen und sprach mit meinem neuen Freund. Die Kommunikation war ein wenig schwierig mein Fahrer konnte kein Englisch, dank der modernen Technik konnte wir fast ein normales Gespräch führen. Ich hätte gerne den Grenzabschnitt gefilmt, aber es war strengstens verboten. Der Grenzbereich sah aus, wie im Krieg: Überall Stacheldraht, sehr viele bewaffnete Männer und diese komische Stimmung, dass in jeden Moment etwas passieren könnte.
Als wir es fast geschafft hatten, fuhren uns zwei Fahrradfahrer vorbei und ich wurde kurz wütend «warum dürfen Radfahrer fahren und ich nicht laufen» sagte ich mir und nahm mein Zeug aus dem Auto und versuchte in die Türkei zu gehen. Mein Fahrer unterstützte mich und sagte noch zu mir «Wenn es nicht geht, kommst du zurück ins Auto». Ich stellte mich zwischen die Autos und als ich an der Reihe war, gab ich meinen Pass ab und bekam endlich meinen Stempel. Ich traute meinen Augen zuerst nicht und nahm gerne meinen Pass und ging zur Gepäckkontrolle. Ich sprach mit dem Polizisten und erzählte ihm meine Geschichte, der Polizist war sehr beeindruckt und fragte mich, was in meinem Rucksack sei. Ich zählte den Inhalt auf und der Polizist stoppte mich bei der Aufzählung und liess mich gehen. Überglücklich lief ich weiter, aber weit kam ich nicht. 200m später riefen mich zwei bewaffnete Militärmänner zu sich und ich bin mir nicht sicher aber der eine machte eine Ladebewegung mit seinem Sturmgewehr, ich hörte es nur rattern und als ich hinauf schaute war das Gewehr im Anschlag. Komplett kalt zeigte ich den Männern meinen Pass, den sie gefordert hatten und mit vollem Stolz den Türkischen Stempel. Die zwei bewaffneten Männer liessen mich gehen und endlich konnte ich es geniessen. Als ich die erste Türkeiflagge sah, kullerte eine Freudenträne mein Gesicht herunter. Es war ein anstrengender Tag: zuerst die zähe Nacht, dann war das Wetter, der Wind, der mich immer wieder auskühlte und schlussendlich das Theater mit der Grenze.
Das Wichtigste ist, ich bin die Grenze in die Türkei gelaufen!
Der Tag war noch nicht zu Ende, da ich noch zu dem Hostel gehen musste, dass ich im Vorhinein reserviert hatte und ich war froh um die Pause, die es Morgen geben wird. Auf dem Weg zum Hostel, lief ich an der Weltgrössten Pfanne vorbei. Wenn ich die ganzen Strapazen nicht auf mich genommen hätte, hätte ich diesen Weltrekord nie gesehen, der harte Weg zahlt sich immer aus.
Im Hostel angekommen, warf ich meine Kleider in die Waschmaschine und duschte zuerst, danach gab es noch einen erholsamen Schlaf. Nach dem Nickerchen sah die Welt schon ganz anders aus und mir ging es sehr gut. Am Abend lief ich noch h in der Stadt herum, ich sog die neuen Impressionen in mir auf, obwohl ich nur ein LANs weiter war, fühlte es sich wie eine neue Welt an. Ich bekam schon meinen ersten Kaffee geschenkt, als ich eine Sim-Karte kaufte. Der erste Eindruck von der Türkei ist grossartig, die Leute sind sehr freundlich und ich freue mich auf die neue Kultur.
Ich hatte eine mega schöne Zeit in Griechenland, aber es ist auch sehr viel passiert. Die Leute waren sehr gastfreundlich, die Hunde nicht immer. Man muss aber auch immer die ganze Geschichte wissen. Ich bin nicht ohne Grund durch Griechenland, seit der Finanzkrise fragte ich mich: «wie geht es Griechenland, und zwar nicht an Touristenplätzen, sondern auf dem Land?» Und mit meiner Reise sah ich ganz Griechenland. Dem Land geht es besser als gedacht, klar viele Dörfer sind verlassen da vor allem die jungen Leute nach Deutschland oder auch in die Schweiz gehen, um zu arbeiten, da das Land keine Möglichkeiten mehr bietet. Aber das ist auch in den ganzen Balkanländern gleich, der Vorteil, den Griechenland hat, ist der Euro. Klar, ich als Schweizer mache viele Witze über den Euro, aber der Euro hält Griechenland am Überleben.
Efcharisto Hellas!









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