Nach der ersten Nacht auf meiner Reise fühlte ich mich wie von einem Lastwagen überfahren. Ich hatte gut geschlafen, doch der Muskelkater spürte ich bereits sehr stark. Ich frühstückte und verliess gemeinsam mit meiner Kollegin die Wohnung. An meinem zweiten Tag lief ich durch Altdorf und am bekannten Tell-Denkmal vorbei. Als ich Richtung Schattdorf lief, winkte eine junge Frau aus einem Auto, es war meine Kollegin Evelyn. Das ist der Vorteil wenn man von zu Hause aus startet und es gibt mir einen riesigen Motivations-Boost. In Schattdorf besuchte ich eine weitere Kollegin, die mir einen leckeren Tee servierte, so dass ich gestärkt meinen Vater besuchen konnte. Der Arbeitsplatz meines Vaters lag auf dem Weg und ich kam rechtzeitig zum «Znüni» vorbei. Nach meinen Besuchen wollte ich wieder Boden gut machen, da es immer wärmer wurde und ich nicht zu lange laufen wollte. Meine Route führte am Fluss Reuss entlang und ich kam einige Male mit Leuten auf dem Weg ins Gespräch. Es machte sehr viel Spass ihre Reaktionen zu sehen, als ich sagte, dass ich nach Istanbul laufe. In Silenen kaufte ich im Dorfladen ein, weil ein Bekannter dort immer ein Joghurt kaufte, so auch ich natürlich, dank der Erinnerung an diese Geschichte. In einem Waldstück nach Amsteg verbrachte ich meine Mittagspause, doch da es schnell wärmer wurde ging ich bald wieder los. Nach dem Dorf Amsteg begann die Steigung. Bei einer Bergbäuerin fragte ich nach Wasser, diese antwortete in ausgeprägtestem Urnerdialekt, so dass ich nur dort stand und keine Ahnung hatte, was sie mir gesagt hatte. Meine Antwort war dann «Versuch es mal mit deutsch» was die Bäuerin irritierte und mir dann nochmals versuchte zu erklären, wo ich Wasser fände. Beim zweiten Mal hatte ich es dann doch auch verstanden. Richtung Wassen stieg der Weg weiter an, was auch gut ist, da der Gotthardpass auf über 2’100 m ü. M. liegt. Durch meinen Karten-Lesefehler lief ich nach Gurtnellen hoch, anstatt Gurtnellen-Wiler, weshalb ich bei über 30° Celsius noch zusätzliche Höhenunterschiede lief. Danach waren es nur noch fünf Kilometer nach Wassen die an einem Stausee entlangführten.
In Wassen kaufte ich mein Abendessen ein, das ich bei einer Feuerstelle oberhalb des Bahnhofes zu mir nahm, wo ich auf schlief.
Während einer Zugsfahrt sieht man die Kirche von Wassen drei Mal. Ich wollte deshalb drei Mal zu Fuss um die Kirche laufen, war dann aber zu müde. Nach über 30 km und vielen Höhenmeter war ich froh, dass Feierabend war. Da mein Körper aber super funktionierte, konnte ich schon so weit marschieren.
















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