Tag 15: Boqueron-Asent. Santa Librada

Ich sah zum ersten Mal einen Monduntergang, ich fragte mich zuerst, was für ein rotes Ding um 04 Uhr am Himmel steht. Joness erklärte mir dann, wenn der Mond von der Sonne beleuchtet wird, dann auch knallrot aussieht. Nach diesem Naturschauspiel stürzten wir uns auf und konnten dann noch den Sonnenaufgang bewundern. Auf den ersten Kilometer waren wir beide noch müde und es lief noch nicht rund. Nach einer Stunde marschieren sprach uns ein Anwohner an und wir kamen ins Gespräch. Cesar brachte noch ein Buch mit wo wir reinschreiben durften, im Gegenzug unterschrieb Cesar auf unseren Fahnen. Cesar und seine Familie waren sehr freundlich zu uns und gaben uns noch Wasser auf den Weg mit. Nach dieser Begegnung waren wir beide sehr motiviert und konnten unser Tempo steigen. Am Morgen fiel unser Proviant sehr kleinlich aus, aber wir finden auf dem Weg immer wieder Dorfläden, bei welchen wir dann einen Grosseinkauf tätigen. Am Morgen war es schon wieder 35Grad. Zwischenzeitlich hatten wir 12Liter Wasser dabei, welches wir aber auch immer wieder tranken und trotz der Menge schnell weg war. Die zwei Pilgerer suchten einen geeigneten Platz für die Siesta. Wie fanden hinter einem Zaun einen kleinen Wald. Wir überquerten den Zaun und richteten uns für die Siesta ein.

Plötzlich galoppierte ein Mann auf seinem Pferd auf uns zu. Der Cowboy zog seinen Revolver und führte eine Ladebewegung aus. Furchterregend kam er auf uns zu und fragte, was wir auf seinem Grundstück zu suchen haben. Auf seinem Pferd sitzend legte er den Revolver auf die Seite, ich stand auf und suchte das Gespräch. Als ich erklären konnte, dass wir zwei Schweizer sind die durchs Land Pilgern, normalisierte sich die Lage und der Cowboy stellte sich mit dem Namen Carlo vor. Carlo war sehr fasziniert von unserer Geschichte und fragte uns sofort ob wir Wasser oder etwas zu Essen wollen. Wir fragten um Wasser, da es immer noch heiss war. Ich folgte Carlo auf dem Pferd und Joness blieb beim Camp. Joness musste die Situation zuerst noch setzen lassen, da er Carlo auf sich zukommen sah mit gezücktem Revolver. Carlo und ich verstanden uns prächtig und er freute sich, dass ich ein paar Fotos von Ihm und seinen Pferden schoss. Mit kühlem Wasser ging ich zurück und Joness und ich sprachen über das Passierte. Auf einmal Stand die ganze Familie mit Carlo vor uns und wollten mit uns Fotos machen, in diesem Moment merkten wir was es für diese Leute bedeutet. Wir verstanden uns prächtig mit der Familie und Carlo tat es leid, dass er uns so überrumpelte. Wenn man ehrlich ist, ist es unser Fehler. Denn wir sind auf Privates Areal getreten. Wir gaben Carlo noch unsere Flaggen zum Unterschreiben, aber wir mussten für ihn seinen Namen schreiben, da er nicht schreiben konnte. Wir fanden es krass aber erklären es uns, dass er als Cowboy es nicht braucht und auch nie zur Schule durfte. Als die Familie wieder ins Haus ging, führten Joness und ich unsere Siesta weiter. Da ich im Zelt nicht so gut schlafen kann, hole ich den Schlaf während der Siesta nach. Joness vertrieb sich die Zeit mit Atmungsübungen, da ich heute ca. zwei Stunden schlief. Nachdem ich endlich wieder einmal aufwachte, assen wir noch unser Mittagessen, welches aus Brot mit Erdnussbutter, Bananen und Kekse bestand. Carlo kam auf einmal vorbei und sagte uns, dass es regnen könnte und wollte uns bei sich einladen, wir lehnten dankend ab und machten uns bei Nieselregen auf den Weg. Da wir bis zur Mittagspause 23 Kilometer zurücklegten, wollten wir mindestens noch 7 Kilometer hinter uns bringen, bevor wir in den wohlverdienten Feierabend gingen. Auf dem Weg regnete es immer Stärker und ein Gewitter machte sich auf. Mit Regenkleidung ausgerüstet ging es auf die letzten Kilometer zu. Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit, sahen wir einen Unterstand mit einem Wellblechdach. Ich fragte den Anwohner, ob es möglich wäre dort unser Zelt aufzuschlagen. Ein bisschen irritiert sagte er zu und zeigte noch auf ein weiteres Häuschen, das seiner Meinung besser geeignet war. Wir schauten uns den zweiten Platz an, konnten aber keine Herringe einschlagen, da der Boden aus Zement bestand. Joness und ich gingen zurück zum Unterstand und sahen, dass es eine Kirche ist. Eine offene Kirche nur mit einem Wellblechdach. Wir fragten uns ob bei einem Sturm der Gottesdienst entfallen würde? Nach kurzer Zeit nachdem wir unser Zelt aufstellen wollten, kam der Anwohner, welcher wir zuerst um Erlaubnis gefragt hatten. Er lud uns zu sich ein, ehrlich zu sagen hatten wir auch keine andere Wahl, da er darauf bestand. Wir bekamen ein Zimmer mit einem richtigen Bett und konnten unsere nassen Sachen aufhängen. Unser Gastgeber heisst Francesco und seit seine Frau gestorben ist lebt er alleine. Innert kürzester Zeit haben wir viel voneinander gelernt. Er lernte uns viele Wörter auf Guaraní (Landessprache Nr1). Wir tranken zusammen einen Mate Tee und Joness und ich konnten zeigen, dass wir gelernt haben wie man den Tee richtig trinkt. Wir zeigten Francesco Fotos von der Schweiz und entnahmen, dass wir die ersten Europäer sind die er sieht. Francesco bestand darauf für uns zu kochen. Er wollte zuerst Hühnchen für uns Kochen, aber Joness fragte nach Eier und so konnten wir einen weiteren Tag umgehen Fleisch zu essen. Der Herr besitzt nur einen Teller und eine Tasse und konnte auch nicht auf unseren Flaggen eigenhändig Unterschreiben. Zur Toilette geht er jedesmal in den Wald, da er keine besitzt. Wir wissen immer noch nicht wie damit umzugehen.

Wir sind so dankbar für diesen Tag. Wir trafen heute drei interessante Leute, die ein Teil unserer Reise wurden. Dank der Flaggen werden wir sie und ihre Namen für immer bei uns tragen. Wir sind für viele Menschen die ersten Europäer die sie treffen. Auch wenn die Leute nicht schreiben können oder nur einen Teller oder Tasse besitzen sind sie glücklicher als viele Schweizer. Francesco besitzt keinen Fernseher oder Radio und kann auch nicht lesen. Der Mann hat seine Haustiere und die Familie in der Nähe und das ist alles was er braucht.

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