Der Wecker klingelte munter um 04 Uhr und der Regen begann auf das Wellblech zu tropfen. Joness hatte super Regenkleidung dabei die ihn trocken ans Ziel brachten. Ich hingegen wurde gestern komplett durchnässt. Weshalb wir uns entschlossen noch eine Stunde zu schlafen und hofften auf trockenes Wetter. Unser Plan ging auf, als wir erneut den Wecker ausmachten, regnete es nicht mehr. Wir machten uns bereit für den Tag und da stand dann Francesco auch schon auf. Er freute sich, uns nochmals zu sehen. Landestypisch tranken wir einen Mate Tee zusammen. Francesco mixt noch einen Tee mit und der Aschenbechergeschmack verflog und der Tee schmeckte nach Zitronen und Orange. Nach einem schönen Gespräch brachen wir auf und sagten auf Wiedersehen. Die Morgentoilette fand wieder einmal im Wald statt, da Francesco keine Toilette hat. Auf der Karte sahen wir, dass es nach sieben Kilometer ein Supermercado kam. Zum Glück stimmt die Karte und wir konnten einkaufen. Schnell kamen wir mit dem Besitzer des Geschäftes ins Gespräch. Wildo Fernández war begeistert von uns, wir machten Fotos und Videos zusammen. Wir fanden bei ihm alles was wir brauchten. Sogar eine Sporthose kaufte ich bei ihm, da ich eine Hose mitgenommen habe die zu schwer und nicht geeignet fürs Laufen ist. Wildo wollte mir Thunfisch verkaufen, da erklärte ich ihm, dass wir keine Tiere essen. Herr Fernández verstand die Welt nicht (Wir wussten, dass das einmal kommt, so als Vegetarier in Südamerika). Er fragte mich dann, ob ich auch kein Huhn esse? Ich erklärte nochmals, «keine Tiere». Worauf er mich nochmals fragte: «und ein bisschen Huhn». Wir lernten, dass Hühnchen in Paraguay, dementsprechend kein Tier ist. Nach der Diskussion bot er uns an, uns zum Beginn des Nationalparkes zu fahren. Wir willigten ein, und luden die Rucksäcke in den Kofferraum des SUV. Die Fahrkünste der Menschen hier kann man nicht mit der Schweiz vergleichen. Von den Zuständen der Autos erzähle ich gar nicht. Wildo fuhr durch eine Matschpiste, als er das Auto bis zu Hälfte versenkte, wurde der «Allrad» eingeschaltet. Mit kuriosen Lenkbewegungen und mehreren Drifts, brachte er uns ans Ziel. Wir tauschten die Nummern aus, um den Kontakt zu pflegen.
Wir liefen in den Nationalpark und winkten Wildo nochmals zu. Als wir die ersten Schritte zurücklegten, fing es an zu regnen. Mit der Regenausrüstung ging es weiter. An einer Weggabelung versuchten wir eine Abkürzung, am Anfang liefen wir noch auf dem Weg und je tiefer, es in den Wald ging, verschwand der Weg. Wir versuchten es weiter und kamen an einen Bach und darüber lag ein nasser Baumstamm zum Überqueren. Als ich denn Baumstamm sah, hatte ich schon Internetvideos im Kopf wie die Leute ins Wasser fallen. Trotz Bedenken versuchte ich es als erstes. Unbeholfen rutsche ich «natürlich» aus, schlug mir das Knie auf dem Baumstamm auf und mittels einer seitlichen Drehung fiel ich ins Wasser. Direkt spürte ich einen Schmerz am Knie und Joness half mir aus dem Wasser. Komplett durchnässt und mit Schmerzen, wollte ich weiter da, ich nichts mehr zu verlieren hatten. Joness sah wie man es nicht machte und kam souverän auf die andere Seite. Joness bot mir an, meine Packung zu nehmen, aber das liess mein Kopf nicht zu. Keine hundert Meter weiter, standen wir an einer Sackgasse und mussten zurück. Beim zweiten Versuch, gab es keine Verletzten und wir erreichten den sicherer Weg. Es regnete immer mehr und meine Kleidung war nass. Jeder kennt das Gefühl, wenn man mit Gummistiefel gefüllt mit Wasser läuft, so lief ich heute noch zehn Kilometer. Ich drückte auf die Tube und Joness musste das Tempo mithalten. Joness meinte: «Ich verstehe warum das Militär dich so gerne hat, jeder andere Mensch hätte geheult und seiner Mami gerufen». Ich schmunzelte und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde ich hatte keine Schmerzen. Als wir beide entkräftigt waren, montierten wir das Tarp über einen Zaun. Jeder von sahs auf seiner Seite vom Zaun unter dem Tarp. Normalerweise retten wir uns von der Sonne in die Siesta und heute war es wegen dem Regen. Ich trocknete mich ab und wechselte meine Kleidung. Gemäss Wetterdienst regnet es Morgen nicht mehr, was uns freut da wir keine trockene Kleidung mehr haben. Joness blieb trocken und begann mit der Siesta. Der Regen hörte nicht mehr auf und aufgrund der Schmerzen in meinem Knie entschlossen wir nach absolvierten 28km das Laufen zu beenden. Am späteren Nachmittag stoppte kurz der Regen und Joness stellte das Zelt auf. Wir assen noch Brote und Cracker als Abendessen und gingen früh schlafen.
An solchen Tagen will niemand mit uns tauschen, aber nur wer die «schlechten» Tage durchhält, hat sich die «schönen» verdient.
Heute ging ein Traum für mich in Erfüllung, ich konnte vor 20Uhr schlafen gehen.









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