Nach einer Nacht ohne Besuch von Freund und Helfer war ich bereit für die Etappe durch drei Ländern. Als ich alles zusammenpackte hörte ich das Knacken von zerbrochenen Ästen im Wald, irgendeine Gestalt war im Wald vor mir. Ich wurde nervös und wusste nicht, ob ich ruhig bleiben oder gehen soll. Zuerst wurde es ruhig, aber dann kam das Wesen zurück ich hörte, wie es durch den Wald streifte und deswegen Äste brachen. Ich beschloss alles zusammen zu packen und zu gehen, dadurch schreckte ich es auf und ich hörte, wie es auf die Strasse galoppierte, da wurde mir klar, dass es ein Reh oder sogar ein Hirsch war. Nach dem Schreckmoment konnte ich meine Morgentoilette durchführen und in meinen Tag starten.
Nach lediglich 200 Metern erreichte ich die Italienische-Slowenische Grenze. Da es sich um einen Fahrradweg handelte, war ausser einer «Willkommen in Slowenien Tafel» nichts. Mein Ziel war dieses kurze Stück von Slowenien so zügig wie möglich zu queren um Umag (Kroatien) zu erreichen. Dort wollte ich eine Sim-Karte kaufen und Bank-Automaten wird es in Umag ebenfalls haben. Ich sah nicht viel von Slowenien, aber was ich sah gefiel mir und es wäre sicher auch ein Land, welches man super durchwandern oder bereisen könnte. Mein Weg führte mich über einen Pass, der einiges von mir abverlangte, da ich vollbepackt mit Proviant für den ganzen Tag ausgestattet war. Als ich oben ankam war ich komplett durchgeschwitzt und konnte die Aussicht geniessen. Auf dem Pass fand ich eine Wechselstube, um Euro zu kroatischen Kuna zu wechseln. Natürlich hatte ich meine Kreditkarte dabei, aber mit Bargeld war ich auf der sicheren Seite. Kurz vor der Grenze fragte ich bei einem Imbissstand nach Wasser, die Bedienung war nicht sehr freundlich, aber ich bekam mein ‘Voda’. Auch die dritte Grenze auf dieser Reise war kein Problem, ohne Kontrolle konnte ich gemütlich über die Grenze schlendern. Sehr einfach war ich im vierten Land (Kroatien) angekommen. Im neuen Land lief ich zuerst der Strasse entlang den Berg hinauf bei über 30 Grad Lufttemperatur. Die Autolenker auf der Gegenfahrbahn schauten und winkten mir zu, da es aufgrund der Kontrolle Richtung Slowenien Stau gab. Ich begrüsste alle Autofahrer und versuchte alle Sprachen abzudecken. Ich sprach mit dem einen und anderen und auch die Schweizer staunten, als ihnen der verschwitzte Wanderer «Schwiizerdütsch» zurief. Nach den Plaudereien kam ich oben an, wo ich zuerst eine Pause benötigte, mein ganzer Körper tropfte nur. Insgesamt trank ich an diesem Tag sieben Liter Wasser.
Nach der Pause lief ich dem heutigen Schlussspurt entgegen, ich spürte schnell, dass Kroatien anders wird. Ich sah schon viel mehr Natur- und Wanderwege und auch die Leute waren sehr zuvorkommend. An einem kleinen Dorf sah ich zwei Männer die zwei Spanferkel vorbereiteten, fragte sie nach einem Foto und kam so mit zwei einheimischen Herren ins Gespräch. Zwischen Englisch, Italienisch und Kroatisch wurde alles gesprochen und mir wurde noch eine gute Zeit in Kroatien gewünscht. Kurz vor Umag benötigte ich Wassernachschub und fragte bei einem Restaurant nach. Eine sympathische junge Frau füllte mir meine Wasserflasche auf, nach einer Plauderei ging es weiter. Kurz darauf wurde ich von einer deutschen Familie angesprochen, die auf Fahrrädern unterwegs war. Sie suchten nach dem Fahrradweg. Zusammen fanden wir den Weg und auch hier gab es einen Schwatz. Die lieben Leute machen Fahrradwegferien und waren auf dem Weg nach Venedig, dank Socialmedia bleiben wir in Kontakt (ich hoffe ihr lest das hier). Nach einer wunderbaren Verabschiedung trennten sich unsere Wege und bald erreichte ich Umag. Dort erledigte ich kurz meine Dinge und machte meine wohlverdiente Siesta am Hafen.
Als ich kurz schlief, legte ein Touristenboot am Hafen an. Durch den Lärm der Menschen erwachte ich sofort. Später bei mehr Ruhe konnte ich nochmals schlafen. Nach der Pause lief ich noch sechs Kilometer zu einem Campingplatz. Nach diesem heissen Tag wollte ich meinem Körper etwas zurückgeben und konnte hier mich und die Kleidung waschen. Auf dem Campingplatz lernte ich Julian kennen, Julian fährt seit drei Monaten mit dem Fahrrad durch Europa und arbeitet immer mal wieder dort, wo es ihm gefällt. Wir zwei Wandervögel verstanden und auf Anhieb. Neben uns campierte ein Franzose, der ebenfalls mit dem Drahtesel reist. Wir fanden heraus, dass ich zu Fuss schneller in Pula bin als der Franzose auf seinem Fahrrad.
Dieser Tag wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, da ich heute durch drei Ländern lief. Auch der erste Eindruck von Kroatien ist grossartig und macht Vorfreude auf mehr. Insgesamt lief ich an meinem 25. Tag 40 km.









0 Kommentare