Mehrmals erwachte ich in dieser Nacht wegen dem starken Wind. Auch wenn mein Zelt nur 410g schwer ist, hält es dem starken Wind sehr gut entgegen. Ich stand zur gleichen Zeit auf wie immer und lief in der Dunkelheit der Strasse entlang los. Gestern lief ich extra bis hierhin, damit ich heute zum Sonnenaufgang einen Aussichtspunkt erreiche. Meine Berechnungen stimmten und ich schaffte es rechtzeitig. Ich fand sogar noch Zeit auf einen Hügel zu wandern und von dort über das Meer der Sonne zu zuschauen. Es windete den ganzen Tag. Auf diesem Hügel ging ich immer wieder in Deckung, da es sonst zu kalt geworden wäre. Nur für Fotos und Videos verliess ich meine Deckung und kämpfte gegen den Wind an. Es lohnte sich, obwohl es bewölkt war, war es erneut ein fantastischer Moment.
Auf dem weiteren Weg sah ich viele Schafe. Ein Schaf lief an mir vorbei, welches aussah wie ein Rastafari, die Wolle war komplett verfilzt zu Rastas. Irgendwann fand dieser tolle Wanderweg sein Ende und ich lief weiter in die Stadt Cres auf der gleichnamigen Insel. Vor einem Supermarkt bestaunte ich ein Motorrad, welches mit Campingutensilien bestattet war. Während ich neben dem Motorrad Wasser trank, trat der Motorradbesitzer hinzu und wir plauderten und setzen uns gemeinsam in ein Caférestaurant. Heinz stammt aus dem Tirol und reist mit dem Motorrad, er hatte aber auch schon unzählige Fahrradtouren gemacht. Gegenseitig fragten wir uns aus und Heinz bewunderte, wie leicht mein Gepäck sei. Es war grossartig jemanden kennengelernt zu haben, der das gleiche Interesse teilt. Nach einer gemütlichen Pause und einem schönen Moment durfte der Tiroler auf meiner Schweizerflagge unterschreiben und ich stiefelte weiter. Mein weiterer Weg führte der Strasse entlang, die Strassenränder waren von Dornen gesäumt, welche meine Beine zerkratzen, wenn ich Autos Platz machte. Etwa eine Stunde nach der Pause hörte ich ein Hupen – es war Heinz auf seinem Motorrad, der an mir vorbeifuhr. Er wendete und hielt bei mir an. Ich hatte ihm erzählt, dass ich nie Autostopp machen würde, solange ich zwei gesunde Beine habe. Darum fragte er mich: «Soll ich dich ein Stück mitnehmen?» Da ich damit kein Problem habe, wenn man mich fragt und da es ein Motorrad war, willigte ich ein. Es war eine abenteuerliche Fahrt, mit kurzen Hosen und T-Shirt auf dem Motorrad spürte ich den Fahrtwind ziemlich gut. Der Wind wurde auch nicht weniger, aber alles ging gut und Heinz fuhr mich 16km weit. Ich dankte ihm für die Taxifahrt und er fuhr danach seines Weges weiter.
Direkt an der Strasse fand ich ein ehemaliges Wartehäuschen einer Busstation, hier hielt ich Pause. Nach der Motorradfahrt und dem windigen Bus-Häuschen hatte ich schnell kalt und zog mehrere Schichten Kleider an. Nach meinem Mittagschlaf kochte ich mir Nudeln mit Bouillon um meinem Körper Energie und Wärme zugeben. Das Einzige, was mir gegen die Kälte helfen konnte, war weiterzulaufen. So verliess ich das zwar trockene, aber windige Wartehäuschen.
Ich hatte nicht erwartet, dass es auf der Insel Schlangen gibt, doch ich fand ein Schlangenskelett von schätzungsweise 1.2m Länge, was mich erschrak. Doch bis jetzt sah ich nur tote Schlangen. Wenn ich eine lebendige Schlange sehen würde, weiss ich nicht, wer mehr Angst vor wem hätte. Nach dem kleinen Schreck fand ich einen Wasserhahn bei dem Dorffriedhof. Ausgangs des Dorfes sammelte ich an einem Feigenbaum einige Feigen. Ein paar Früchte ass ich sofort, die andere Hälfte packte ich ein. Nach insgesamt 44km (inklusive Motorradfahrt) fand ich in einem Wald einen Platz für mich. Bereits regnete es wieder, deshalb stellte ich zusätzlich das Tarp auf. Mit einem Hering war ich zu grob, so dass dieser direkt brach. Zu meinem Glück war der Hering immer noch lang genug.
Das Highlight meines heutigen Tages war Heinz’ Aussage, dass ich die Welt besser machen würde. Das gefällt mir sehr gut. Aber ich glaube, dass mein Verdienst dazu zu klein ist, trotzdem ehrt mich die Aussage und ich freue mich, wenn ich morgen meiner Leidenschaft weiter nachgehen kann.









0 Kommentare