Die Tage werden kürzer und die Nächte kühler. In der Früh zeigte das Thermometer 14 Grad an, für mich genau richtig zum Schlafen. Wenn es kühler wird, hätte ich noch das Tarp, welches die Wärme im Zelt hält sowie den Hüttenschlafsack, den ich in meinen normalen Schlafsack lege könnte. So wäre ich auch in kälteren Nächten geschützt. Gestern Abend sah ich schon auf der Karte, dass sich der einzige Supermarkt auf meinem heutigen Weg in Bosnien befindet. Aber erst heute Vormittag bemerkte ich, dass ich eine halbe Stunde Pause vor dem Geschäft machen muss, da das Geschäft um sieben Uhr öffnet. Trotzdem startete ich wie gewohnt um zehn nach fünf. Von meinem Schlafplatz wanderte ich bergabwärts Richtung Grenze, durch das Mondlicht sah ich die Grenze schon bald. Plötzlich fuhr ein Auto langsam vor mich heran und beleuchtete mich mit einem LED-Scheinwerfer. Ich kniff sofort die Augen zu, aber konnte zuvor erkennen, dass es ein weisses Auto mit blauer Schrift war. Die Grenzpolizei patrouillierte und verlangte meinen Pass. Das jemand von der Schweiz bis nach Istanbul läuft, hatten die zwei freundlichen Grenzwächter noch nie gehört und ich konnte nach kurzer Zeit weitergehen. Zur Grenze war es von da nicht mehr weit und wie gewohnt lief ich einfach durch, bis ich ein «Hey Stopp» hörte. Die kroatische Grenzwache wollte ebenfalls meinen Pass sehen und ich hatte die Grenzwächter nicht bemerkt. Ein Grenzpolizist befragte mich kurz und seine Kollegin kontrollierte den Pass und ich durfte weiterziehen, mit der Bemerkung meinen Pass bei einem weiteren Kollegen zu zeigen, da ich das Land verlassen werde.
Der dritte Grenzpolizist scannte meinen Pass und somit hatte ich Kroatien verlassen und landete in Bosnien, meinem fünften Land dieser Reise. Der Grenzübergang funktionierte ansonsten problemlos, ausser dass ich den Videoclip löschen musste, da dies verboten sei.
In Bosnien lief ich durch den Ort Neum. In diesem Ort befand sich der einzige Einkaufsladen meiner heutigen Etappe. Da ich wie geplant um halb sieben vor dem Laden stand, machte ich gezwungenermassen eine Pause. Wie ein Rentner war ich um punkt sieben Uhr im Geschäft, was die Angestellten ein wenig verwunderte. Nach dem Tageseinkauf konnte ich Gas geben und meine Zeit von der Pause wieder einholen. Nach insgesamt sieben Kilometer in Bosnien war ich schon wieder an der Grenze und verliess das Land. Ein Grenzpolizist kontrollierte mich umgehend, da es hier unüblich scheint, dass Leute die Grenze zu Fuss passieren. Ich schilderte der Grenzwache meinen Reiseplan und er reichte mich seinem Kollegen weiter, der meinen Pass scannte. Somit: «Dobrodošli u Hrvatsku» (Willkommen in Kroatien). Natürlich konnte ich es nicht lassen und filmte erneut, aber dieses Mal nur kurze Sequenzen und unbemerkt. Am Vormittag kam ich von Kroatien lief durch Bosnien und war nach gut einer Stunde wieder in Kroatien, klingt komisch, ist aber so.
Mein Weg führte nun entlang der Küste, zusammen mit der wunderschönen Landschaft in Kroatien gelangen mir gute Aufnahmen. Ein Radfahrer überholte mich am Vormittag und bog vor mir auf einen Rastplatz. Da ich ebenfalls eine Pause benötigte, hielt ich am selben Ort. Ich sprach den Radfahrer an und siehe da, ein Schweizer, der zwei Wochen durch den Balkan fährt. Der Mann hatte aber weder Zelt noch Campingequipment dabei, da er in Hotels schläft.
Nach dem kurzen Gespräch in Schweizerdeutsch ging beide weiter. Nach 35km erreichte ich ein kleines Dorf mit einer Kirche, auch hier wieder ohne Trinkwasser. Zum Glück hatte ich meine Flasche bereits aufgefüllt. Ich nutze eine Bank vor der Kirche und schlief nach dem Mittagessen. Die Kirchenglocke war so laut, dass ich jeweils nicht lange schlafen konnte. Trotzdem nutzte ich meine Pause optimal und war bereit für den Nachmittag.
Ab der Landesmitte von Kroatien beginnen die Berge des Balkans, was für mich immer mal wieder einige Höhenmeter bedeutet. Ich weiss, dass dies nur ein Vorgeschmack auf Montenegro und Albanien ist. Die Aussicht von den Hügeln ist wunderschön und so kommt mir gar kein Heimweh auf. Kurz vor meinem Tagesziel fand ich einen Wasserhahn, das Wasser funktionierte, leider befand sich ein Bienenstock nur 10cm neben dem Hahn und ich weiss, dass Bienen aggressiv von menschlichem Schweiss werden. Ganz ruhig füllte ich mein Wasser auf, trotzdem wurden die Bienen nervös. Happyend: Am Schluss hatte ich zwei volle Wasserflaschen und keinen Bienenstich. Nach 43 absolvierten Kilometer war genug für heute und ich fand einen schönen Platz, wo ich den Sonnenuntergang geniessen konnte.
Morgen stehen 24km bis Dubrovnik auf dem Plan, dort habe ich meine Pause mir verdient. Ich bin sehr zufrieden, wie mein Körper läuft und ich gar keine Probleme habe.




















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