Es passiert sehr schnell, dass man den Wecker anstatt 10 min weiter, unverhofft abschaltet. So passierte es mir an Tag 47, der Schaden hielt sich in Grenzen und ich erwachte eine Stunde später von selbst um fünf Uhr. Da ich im Hostel nächtigte und schon viel vorbereitet hatte, war ich schnell marschbereit. Während meiner Vorbereitungen traf ich noch zwei Freunde, die mir alles Gute wünschten. Aus dem Hostel hinaus folgte ich der Strasse, mit meiner heutigen Route werde ich aber möglichst lange die Hauptstrasse meiden können. Der Ausblick auf die Altstadt war nochmals besonders und Dubrovnik ist mir ans Herz gewachsen.
Beim Verlassen der Stadt spürte ich bereits Regentropfen. Da ich damit gerechnet hatte, war alles griffbereit. Doch mit Starkregen hatte ich nicht gerechnet, in schweizerdeutsch hat es «geschifft». Deshalb rannte ich und fand nach 100m einen Rastplatz mit einem grossen Toitoi (mobiles Toiletten-Häuschen). Ich verschanzte mich in diesem WC-Häuschen und überstand so das Gewitter. Zum Glück war mein Aufenthaltsplatz nicht stark «verschissen» und so wartete ich hier das Ende des Unwetter ab. Die Zwangspause nutzte ich auch zum Wechseln der Kleidung und um mich zu verpflegen. Nach einer halben Stunde schien bereits wieder die Sonne und ich konnte weiter gehen. Als ich weiterlief, bekam ich den Schreck meines Lebens, denn plötzlich lag eine schwarze 80 cm lange Schlange vor mir. Intuitiv reagierte ich korrekt, ich blieb ruhig und beobachtete das Tier.
Nachdem das Tier die Flucht ergriffen hatte, verzog sich die intuitive Vernunft und ich schrie. Mein Puls schnellte in die Höhe. Ich benötigte eine Weile bis ich mich beruhigt hatte und weiterlaufen konnte.
Durch den Regen war die Luft sehr schwül und ich schwitzte meine Kleider durch. Der Himmel wurde wieder bewölkt und ich konnte mein hohes Tempo durchziehen. So lange hatte ich keine lebende Schlange gesehen und nun sah ich auf 100m drei weitere Schlangen. Alle vier, die ich heute gesehen hatte, waren Hornvipern. Ein Biss von diesen Schlangen hätte meine Reise sofort unterbrochen, ich bräuchte innerhalb weniger Stunden ein Gegengift. Deswegen war ich nun sehr beunruhigt. Doch der Herrgott hat mich mit sehr grossen Füssen gesegnet und dank meinen schnellen Schritten fliehen die Schlangen vor mir.
Nach den unerwünschten Schlangenbegegnung traf ich zwei Radfahrer, die mich zuvor überholt hatten. Sie kamen aus der Steiermark und wollen bis nach Skopje fahren. Wir hätten gerne länger gesprochen, doch da wir uns nicht sicher fühlten, fuhren die zwei Österreicher weiter und ich kaufte ein letztes Mal in Kroatien ein. Ich kaufte so ein, dass ich mein letztes kroatische Geld aufbrauchte. Für Montenegro hatte ich Euro im Rucksack. Nach dem Einkauf folgten sechs Kilometer bis zum Grenzübergang. Ich lief an den Autos vorbei und fragte einen Polizisten, wo ich hinmüsste. Dabei bemerkte ich, dass der Polizist aus Deutschland stammte. Der Polizist sagte mir dann im Bayrischen Dialekt und einem Lächeln: «Tu so, als ob du ein Auto wärst und stell dich in die Schlange». Ich quetschte mich also zwischen die Autos und lief dann über die Grenze. Wohl weil es für viele ein ungewohntes Bild war, wurde ich mehrfach freundlich angesprochen und ergab lustige Begegnungen. Ich traf dabei auch einen Schweizer aus Neuenburg und rief noch «Allez la Suisse» aus dem Auto. Nach einem Kilometer erreichte ich den Grenzübergang zu Montenegro, dort gab es das gleiche Vorgehen erneut, nur dieses Mal bekam ich einen Stempel in meinen Reisepass.
In Dubrovnik lernte ich eine Frau in meinem Alter kennen, die mit Hund und Camper nach Griechenland reist. Ich blieb in Kontakt und es passte so, dass sie mich nach dem Grenzübergang fragte, ob ich mit ihr nach Kotor fahren möchte. Da ich bis dahin schon 40km zurückgelegt hatte, und das Wetter unsicher war, willigte ich ein. Die Stadt Kotor hätte ich nämlich nicht besichtigt denn es lag nicht an meinem Weg. Wir spazierten zusammen durch die Stadt und ich kaufte eine Sim-Karte. Es war schön den Abend zusammen zu verbringen und zusammen zu kochen. Dank Nadja und Rosi (Hund) kam ich heute auf 76km und immerhin hatte ich mehr als die Hälfte zu Fuss zurückgelegt.
Die Speicherkarte meiner Kamera hatte heute eine Funktionsstörung und speicherte leider diverse Filme nicht.
Kroatien hat sich von einer schönen Seite gezeigt und ich hatte eine tolle Zeit. Es fiel mir schwer das Land zu verlassen, da ich so gute Erfahrungen und Begegnungen hatte. Ich verstehe es nicht, wenn Leute zu mir sagen, dass ihnen die Kroaten kalt oder unsympathisch erscheinen. Man muss sehen, dass Kroatien ein slawisches Land ist. Auch als ich schon Wasser oder Früchte geschenkt bekam, blieb der Mundwinkel in etwa gleich. Aber die Gesten machen es aus und die Leute sind mega gastfreundlich, auch wenn sie nicht jeden anlächeln.
«Hvala Hrvatska!» (Danke Kroatien!)









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