Ich hätte nie gedacht, dass ein kleiner süsser Dackel in der Nacht so viel Platz beanspruchen kann. Während der Nacht sank die Temperatur nicht unter 15 Grad und in der Früh war es wärmer als gestern um dieselbe Zeit. Mit T-Shirt und kurzer Hose (wie immer) ging ich in der Dunkelheit los. Ich startete mit extrem leichtem Rucksack, da ich fast den ganzen Proviant aufgebraucht hatte. Doch gemäss meinem Routenplan sollte ich heute mehrere Einkaufsmöglichkeiten antreffen. Um 6 Uhr öffneten die ersten Bäckereien und das Wasser lief im Mund zusammen vom Duft der frischen Brote. Trotz Sprachbarriere kaufte ich leckere Backwaren ein. Vor Verlassen des Geschäfts kam ein Mann aus der Backstube hervor. Der Mann sprach deutsch, da er sonst in Deutschland lebt und zwei Monate im Jahr, seiner Cousine aushilft. Der Bäcker begegnete mit einer riesigen Gastfreundschaft und bot mir sogar eine Jacke an. Dankend lehnte ich natürlich ab, da ich meine eigene im Rucksack mitführe. Nach dem herzlichen Austausch lief ich wie geplant der Küste entlang weiter und ass meine Backwaren auf dem Weg. Auch hier wurde mir oft zugewunken und ich wurde höflich begrüsst. In diesem Moment fand ich es schade, dass ich nur so wenig von Montenegro sehen würde, aber ich werde auf dem Rückweg (nicht zu Fuss) Montenegro nochmals besuchen.
Die Route in Montenegro habe ich so gewählt, dass ich möglichst viel vom Land sähe. Ich lief anschliessend durch «Bar», eine weitere Stadt an der Küste. Die Altstadt ist sehr niedlich und die Kirchen der verschiedenen Religionen sind sehr schön. Nach «Bar» ging ich auf Landstrassen weiter und auch dort wurde ich oft von den Leuten begrüsst. Jemand fragte mich «für wieviel ich meinen Schnurrbart rasieren würde?» Meine Antwort war ein Lächeln. Hier leben anscheinend viele Leute, die früher in einem deutschsprachigen Land wohnten und deshalb noch Deutsch können, wie ein Mann der mir heute meine Wasserflaschen auffüllte. Entlang der Landstrasse fuhr ein VW-Bus mit Schweizer Kennzeichen vorbei, ich rief hinterher und sie hielten sogar an. Ich wollte nur kurz die Leute kennenlernen die momentan am Reisen sind. Aber das Pärchen sagte sofort: «Steig ein». Zuerst wollte ich nicht, da ich schon vor zwei Tagen ein Stück gefahren bin, aber dann dachte ich, es soll wohl so sein. Das Pärchen hatte während der Pandemie den Bus umgebaut und sie bereisen jetzt zusammen die Welt. Es war für uns alle drei ein fantastischer Moment. Ein paar Kilometer vor der Grenze, stoppten wir, da ich die Grenzen unbedingt zu Fuss passieren möchte. Wir tranken Kaffee zusammen und machten ein Erinnerungsfoto. Meine zwei neuen Freunde fuhren Richtung Grenze und ich suchte mir einen Mittagsplatz.
In Montenegro traf ich wieder Stechmücken an, obwohl ich sie nicht vermisst hatte. Ich schlief während der Siesta trotz den Mücken sehr gut, da ich es kaum erwarten konnte nach Albanien zu laufen. Deshalb brach ich meinen Pause vorzeitig ab. Nach wenigen Kilometern begegnete mir ein Mann, der von Lybien nach Deutschland geht, was ich als Flüchtling annahm. Ich hatte bisher noch keine Flüchtlinge auf der Reise kennengelernt. Er laufe sehr viel zu Fuss, wenn es möglich sei, reise er per Anhalter. Ich sprach in auf seinen kleinen Rucksack an und er antwortete «Je leichter ich reise, desto schneller kann ich rennen». Auch die Kleidung, die der Mann trug, war eher für einen gemütlichen Sonntag geeignet als eine Reise über zwei Kontinente. Ich fand es sehr bewundernswert, was der junge Mann auf sich nimmt für ein besseres Leben und hoffe für ihn, dass er sein Ziel erreicht.
Bei der Grenze zwischen Montenegro und Albanien angekommen konnte ich im Fussgänger-Bereich an den Autos vorbei gehen, dieses Mal musste ich mich nicht in der Autowarteschlange einreichen. Zuerst realisierte ich gar nicht, dass ich schon in Albanien war, aber dann merkte ich, dass die Polizisten der zwei Ländern sich ein Büro teilten und so mein Pass direkt zweimal inspiziert worden war. Direkt nach der Grenze kaufte ich eine Sim-Karte, obwohl ich die Sim-Karte für Montenegro nur selten gebraucht hatte. Nach dem Einkauf freute ich mich auf meine ersten Schritte in meinem siebten Land auf der Reise. Ich wurde von den Fahrzeugen überholt, die ich an der Grenze gesehen hatte und viele jubelten und winkten mir zu. Nach der Grenze ging lief ich noch sechs Kilometer weiter und versuchte schon mit meinem erlernten Albanisch nach Wasser zu fragen. Es funktionierte, doch ich weiss, dass da noch Luft nach oben ist. Hinter einem Feld stellte ich mein Zelt auf und kochte. Später bekam ich Besuch von zwei Anwohnern, die sehr an mir interessiert waren und beunruhigt waren, da es später regnen solle. Nach dem Sonnenuntergang wurde es tatsächlich spürbar kühler und ich bereite mich auf eine kalte Nacht vor.
Montenegro ist ein wunderschönes Land und es hat Freude gemacht, hindurchzulaufen. Ich freue mich, wenn ich mehr von diesem schönen Land sehen darf.









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