Tag 50 Obot- Fushë Milot

Da die Temperatur nicht so stark sank wie angenommen, hatte ich auch dank der Vorbereitung mit dem Tarp sehr warm in meinem Zelt. Zudem hatte ich die warme Kleidung angezogen und meinen Innen-Schlafsack unter meinen normalen Schlafsack getan. Nun weiss ich, dass ich für die wirklich kalten Nächte gewappnet bin. Ich schlief sehr gut und erwachte nur einmal kurz, als es ein wenig regnete. Am Morgen war das Tarp trocken, nur der Boden des Zeltes war etwas nass.

Von meinem Schlafplatz waren es 101km bis in die Hauptstadt Albaniens. Ich spielte schon früh mit dem Gedanken, diese Strecke in zwei Tagen nach Tirana zu versuchen, da ich immer noch meinen Körper austesten möchte.

Nach meinem Start in der Dunkelheit kam ich nicht weit, nach rund drei Kilometer fuhr ein Auto an mir vorbei, welches danach mit dem Pannenblinker am Strassenrand stand. Ich dachte mir schon, ob diese Person mich mitnehmen möchte. Als ich auf der Höhe, des Fahrzeuges war sprach der Mann Englisch mit mir. Nach den üblichen Fragen, wie was ich mache und woher ich sei, sprachen wir danach auf Deutsch, da der Mann zwei Jahre in Deutschland gelebt hatte. Sofort bot er mir an, bei ihm einzusteigen. Zuerst zögerte ich, da ich in den letzten Tagen schon gefahren wurde, ich gab mir jedoch einen Ruck, da ich den Moment nicht zerstören wollte. Tim fuhr mich dann bis nach Shkodra und zeigte mir die Stadt. Es war toll, eine Stadtführung zu erhalten. Tim setzte mich am Busbahnhof ab, so dass ich weiter gehen konnte, aber auch falls ich den Bus nehmen wolle. Meine neue Bekanntschaft sagte mir, dass es viel zu gefährlich sei, nach Tirana zu laufen und man bräuchte dafür fünf Tage. Diese Info motivierte mich noch mehr, da ich vielleicht der Erste sein werde, der von Shkodra nach Tirana in zwei Tagen zu Fuss geht.

Der Weg der Strasse entlang war heute kein Problem, ich hatte immer genügend Platz und es wurde nie gefährlich, entgegen den Erwartungen von Tim. Es führt aber auch kein anderer Weg nach Tirana. Das ist für mich nichts Aussergewöhnliches, wenn man in eine Stadt laufen will, dann muss man der Strasse entlanglaufen. Mein Weg heute ist schnell zusammengefasst, ich lief 47km und dank den sieben Kilometern im Auto, habe ich an meinem 50. Tag 54km zurückgelegt. Das Laufen heute eher unspektakulär, doch was sehr interessant und abwechslungsreich war, waren die Leute. Die Leute in Albanien sind sehr freundlich und winken, jubeln oder hupen mir aus den Autos oder von der Strasse zu. Ich bin es gar nicht mehr gewöhnt, so viel angesprochen worden. Heute erlebte ich so schöne Momente, dank den Leuten. Es macht unglaublich Spass in Albanien. Da ich noch nicht so lange in Albanien bin und noch eine längere Wegstrecke vor mir liegt, kann ich es kaum erwarten, morgen nach Tirana zu gehen. In der Hauptstadt werde ich drei Nächte schlafen. Eigentlich hatte ich zwei Nächte geplant. Da ich nun schon morgen in Tirana eintreffen werde, mache ich einen Tag länger Pause, das hat sich mein Körper verdient.

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