Tag 51 Fushë Milot- Tirana

In dieser Nacht zog ich mich weniger warm an, dass ich weniger stark schwitzte. Mit dem Wind wurde es am frühen Morgen sehr kalt und zum ersten Mal auf dieser Reise startete ich mit angezogener Jacke. Mein Weg führte zuerst durch kleine Dörfer, die sehr landwirtschaftlich geprägt waren. Schon sehr früh sah ich die Menschen, wie sie ihr Vieh auf die Weide brachten. Leider hatte ich heute meine Schuhe zu früh gewechselte und der Tau auf dem Gras nässten meine leichten Schuhe und die Socken schnell. So zog ich nochmals die Wanderschuhe an, jedoch ohne Socken, da beide Paare nass waren. Ich hörte unterwegs mehrmals ein Knallen. Später sah ich dann zwei Jäger mit Jagdhund, die auf der Jagd waren.

Irgendwann ging mein Weg nicht mehr weiter, weil ein grosses Tor meine Route versperrte, was auf der Karte nicht zu erkennen war. Meine Lösung: zur Autobahn laufen und danach an der Seite der viel befahrenen Strasse weiterzugehen. Ich befürchte, dass ich nicht der Erste war, der von Shkodra nach Tirana gegangen ist, da ein Pfad neben der Autobahn entlangführte. So war der Weg auch für mich sicher. Bis zum Sonnenaufgang blieb die Temperatur tief, wenn ich etwas auf meinem Handy nachschauen musste, war es mühsam da meine Finger sich nur langsam bewegen liessen. Nach dem Sonnenaufgang machte ich eine kurze Pause und nutzte die Sonnenstrahlen, um mich aufzuwärmen und meine Sachen zu trocknen. Als ich da am Boden sass und den Sonnenaufgang beobachtete, kam eine ältere Frau vorbei und fragte, was ich hier mache. Da mein Albanisch nicht ausgeprägt ist, verstummte die Unterhaltung schnell und die Frau ging zurück in ihr Haus. Der Weg bis in die Hauptstadt war zäh und ich kam nicht so gut voran. Ich finde es sehr interessant wie ähnlich sich Grossstädte sind, in die ich schon einmarschiert bin. Ausserhalb von Tirana war es sehr dreckig und düster, überall lag Abfall herum und zum Teil brannte es am Strassenrand. Nach diesem Abschnitt folgten viele Möbelhäuser und danach kam die Vorstadt. Ich sah viele Ähnlichkeiten mit Städten in Südamerika und auch den Abschnitt mit den Möbelhäusern kenne ich schon von anderen Städten. In der Vorstadt war mir unwohl, da viele Augen auf mich gerichtet war und manchmal auch auf mich gezeigt wurde. Im Nachhinein betrachtet war es nie gefährlich für mich, die Leute kennen es einfach nicht, dass jemand mit dem Rucksack durch ihr Land läuft. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon fast 40km zurückgelegt und lief weiter, da ich keinen Platz für eine Pause fand. Nach der Vorstadt wurde es noch einmal ruhiger und ich lief durch Quartiere. Fünf Bauarbeiter wurden auf mich aufmerksam und einer konnte englisch. Als ich nach Wasser fragte, kam ein Mann von der anderen Strassenseite zu mir und nahm mich mit in eine Karrosseriewerkstatt. Dort gaben mir die Arbeiter ihr bestes Quellwasser und ich unterhielt mich noch eine Weile mit den Leuten. Ich spürte, dass die Leute einander helfen und anscheinend auch Fremden wie mir.

Mit voller Wasserflasche lief ich weiter, nach insgesamt 42 absolvierten Kilometer, erreichte ich eine Pizzeria. Mein Hunger war so gross, dass ich sofort eine Pizza bestellte. Ich kam mit einem Mann ins Gespräch der in Deutschland lebt und momentan seine Heimat besucht. Der freundliche Mann lud mich auf ein Getränk ein. Ich wurde so freundlich und liebevoll behandelt, wie es jeder gerne hätte, wenn man an einem fremden Ort ist. Nach dieser Stärkung war es nur noch ein Spaziergang bis zum Hostel. Ich erreichte das Hostel um 14 Uhr und hatte 47km zu Fuss zurückgelegt, was schon verrückt ist.

Das Zimmer konnte wie üblich noch nicht bezogen werden, so tauschte ich mit den anderen Gästen an und wir befreundeten uns. Kurz nach meinem Eintreffen durfte ich das Zimmer beziehen und mich duschen. Ich schlief ein wenig und freute mich über meine Ankunft in Tirana.

Ich lief in den letzten zwei Tagen 102km! Gemäss meinem Plan würde ich ja erst morgen hier eintreffen. Doch da mein Körper grossartiges geleistet hat, ruhe ich mich hier einen Tag länger aus und geniesse das Schlafen in einem richtigen Bett. Normalerweise mache ich eine grosse Pause am Mittag und trockne meine Füsse und Socken, da das heute nicht ging, wegen schon nassen Socken, waren meine Füsse stark aufgeweicht. Es gab aber keine Blättern oder andere Probleme. Wenn ich bis zu 40km am Stück laufe, oder mehr wie heute, dann «brennen» meine Fusssohlen und es fühlt sich so an als hätte ich eine «grosse Blase» an den Füssen oder als ob die ganze Fusssohle bluten würde. Dieses Gefühl habe ich jeden Tag, aber heute noch intensiver.

Nach einer guten Pause sind diese Schmerzen weg und mir geht es gut. Ich ging noch mit ein paar Leuten vom Hostel aus und freute mich auf einen erholsamen Schlaf.

Tag 80 Esenyurt- Istanbul

Tag 80 Esenyurt- Istanbul

In meiner letzten Nacht bekam ich noch Besuch von der Polizei. Mitten in der Nacht standen mehrere Leute um mein Zelt herum und einer rüttelt daran. Ich hörte mehrmals «Polis» ich rief zurück «geh weg und lass mich in Ruhe» auf Schweizerdeutsch. Als ich dann merkte,...

mehr lesen...
Tag 77 Edirne- Yenibedir

Tag 77 Edirne- Yenibedir

Mit einer rieigen Motivation sprang ich aus dem Bett und bereitete mich auf den Tag vor. Zügig packte ich alles zusammen und nahm ein Käsebrot mit auf den Weg. Schnell spürte ich den kalten Luftzug an meinen Waden, unbeirrt lief ich mit meinem schnellen Schritt fort...

mehr lesen...

Schreib einen Kommentar

0 Kommentare

Kommentar Schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert