Tag 51: Vera-Margarita

Nach einer ruhigen Nacht, in der wir gut geschlafen hatten, freuten wir uns auf die nächste Etappe. Trotz den betrunken Leuten im Park konnten wir uns erholen. Im Mondschein packten wir unsere Rucksäcke und brachen auf. Wir entschlossen uns, an der Strasse zu laufen, da wir besser voran kommen und der Weg übers Land immer wieder unterbrochen war. Der Sonnenaufgang war so wunderschön heute Morgen, wir sind einfach nur froh so etwas erleben zu dürfen.

Das Laufen an der Hauptstrasse war sehr langweilig, wir winkten immer wieder Lastwagenfahrer und diese Hupten uns zurück, das war unsere Unterhaltung. Als zwei Lastwagen sich kreuzten, hupten diese mit dem Lufthorn exakt auf unserer Höhe, so dass ich sofort einen Meter auf die Seite sprang und Joness sich enorm erschrak. Nach diesem Zwischenfall wurde es wieder ruhiger. Auf den letzten Kilometern bevor wir in die Mittagspause gingen, hielt ein Pick-Up neben uns und fragte, ob wir nach Margarita mitfahren wollen. Wir nahmen das frühzeitige Weihnachtsgeschenk an und nahmen auf der Laderbrücke Platz. Leandro donnerte mit über 100km/h über die Hauptstrasse mit uns zwei Caminandos beladen. Wir hörten unsere eigenen Worte kaum und uns flogen fast die Köpfe weg. Nach ein paar Minuten war die kostenlose Hautstraffungsfahrt vorbei. Wir tauschten uns noch aus und Leandro erzählte uns ein wenig von seinem Dorf und fuhr dann weiter.

Nach der Höllenfahrt brauchten wir kurz eine Verschnaufpause. Als wir wieder klar im Kopf waren, liefen wir zum Park und legten uns dort in den Schatten. Nach kürzester Zeit lernten wir die erste Person des Dorfes kennen und bekamen von dem Herrn Wasser und Knabbereien. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, es wird noch mehr.

Im Verlauf der Siesta lernten wir das halbe Dorf kennen und uns wurde immer wieder Wasser oder etwas zum Essen gebracht. Joness und ich hatten neben den Köstlichkeiten noch wundervolle Gespräche. Wir lernten Piri kennen, Piri ist ein aufgedrehter Argentinier, neben dem Joness und ich Riesen sind. Was uns überraschte, er kannte die Schweiz und wusste ganz genau wie die Flagge aussieht. Später gesellte sich Facundo noch zu uns, der junge Mann blieb eine Weile bei uns und wir hatten ein tolles Gespräch zu Dritt. Der Austausch und das Interesse war von beiden Seiten sehr gross. Wir werden natürlich über unsere Reise befragt, aber die Pandemie ist leider auch immer wieder ein Thema. Wir fragten Facundo über das Land und über die Arbeit in Argentinien aus. Die Polizei besuchte uns zwei «Poco Locos» selbstverständlich auch noch und als das Polizeiauto angefahren kam, zückten wir schon unsere Pässe. Die zwei Polizisten waren sehr beeindruckt von den roten Büchlein und waren sehr freundlich. Für Joness und mich war es die lustigste und sympathischste Kontrolle aller Zeiten. Der eine Polizist blätterte in unseren Pässen, da er so etwas lange Zeit nicht mehr sehen wird. Ich wurde gefragt, ob ich mich nicht einmal rasieren möchte. Bevor unsere Zwei lieblings Polizisten gingen, bekamen wir das Angebot jederzeit in den Polizeiposten zu kommen, falls wir etwas wollen oder sogar dort schlafen möchten. Die Leute sind sehr zuvorkommend und freundlich zu uns und uns gefällt es sehr in Margarita.

Nach unserem Abendessen kamen noch zwei junge Damen vorbei und beschenkten uns mit Wasser und Pommes Chips. Mit fast allen, die uns heute so grosszügig beschenkt haben, haben wir Fotos gemacht und sie durften auf unseren Flaggen unterschreiben.

Der heutige Tag war grossartig, so viel Freundlichkeit haben wir selten erlebt. Morgen geht es noch 24km nach Calchaquí, wo wir ein vier Stern Hotel reserviert haben. An diesem Punkt hatte ich mit dem Tag abgeschlossen und wir schliefen. Um 22:30Uhr klatschte es draussen, Joness reagierte kurz, wollte aber weiter schlafen. Dann klatschte es nochmals und als Joness sich erhob, sah er drei Personen draussen. Joness rief: «Urs» und ich erwachte und ging sofort raus, da ich wusste dass ich sprechen muss. Als ich raus ging, realisierte ich, dass ich nur in Unterhose da stand und diese Unterhose zum Teil kaputt ist und man einen Teil meiner Pobacken sah. Die drei Personen waren zu uns gekommen, um uns Lebensmittel zu übergeben, aber auch um mit uns zu sprechen. Der Mann sprach sehr gut Englisch und wusste, dass wir Kantone in der Schweiz haben und dass der Kanton Schwyz und Basel zur Deutschschweiz gehören, was uns überraschte. Nach einem schönen Gespräch durften wir danach zurück ins Zelt und schlafen.

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