Die ersehnte Erholung blieb aus in der Nacht. Zuerst tyrannisierte uns ein Hund, erst als ich aus dem Zelt ging, hörte der Hund auf zu Bellen. Als ich wieder ins Zelt wollte, fing das Bellen wieder an. Ich fackelte nicht lange und verscheuchte das Tier, so das wir Ruhe hatten, vorerst. Am Morgen fragte mich Joness: «Hast du das Tier auch gehört?» Erstaunt fragte ich: «Welches Tier?» Joness erzählte mir dann, dass er Mitten in der Nacht Hufgeräusche gehört hat, aber das Tier klang sehr furchterregend, weshalb er nicht nachschaute. Zu unserem Glück ging das Tier wieder.
In der Nacht wurde es sehr frisch, weshalb wir beide am Morgen noch mit Jacken gestartet sind. Nach dem Sonnenaufgang wurde es sofort wärmer und die Sonne heizte im Verlauf des Tages noch ein. Joness und ich passierten eine typische Kehrrichtentsorgung, alles wird auf einen Haufen geworfen und verbrannt, so funktioniert das hier!
Auf dem Weg hielt mich ein Mann an und er wollte mehr über unsere Reise wissen. Der Mann hat selbst schon solche Wanderungen unternommen und hat, so wie ich auch, den Jakobsweg gemeistert. Es war schön jemanden zu treffen, der die gleiche Passion hat. Wir verabschiedeten uns mit «Buen Camino» ein typischer Ausdruck auf dem Jakobsweg. Bei Joness und mir läuft es. Unsere Stimmung ist sehr gut, da es uns sehr gut geht und wir keine Probleme haben.
Wir liefen durch Gobernador Crespo und bekamen von Bauarbeitern Wasser. Die Jungs liessen alles stehen und liegen, um mit uns zu sprechen. Die Männer waren sehr interessiert an uns und wollten uns etwas Essen geben, hatten aber nichts mehr. Was uns nicht störte, da wir mit dem Wasser mehr als zufrieden waren. Am Ende von dem Dorf Gobernador Crespo, machten wir eine Pause. Ich sah schon von weitem das Blaulicht. Als die Polizei zu uns kam, streckten wir schon unsere Pässe entgegen, da wir den Ablauf kennen. Die Polizisten waren erstaunt, dass wir die Pässe entgegen streckten. Wir wurden nur von einem Polizisten befragt und kontrolliert, der andere Polizist hatte keine Zeit und musste eine Zigarette rauchen. Der Polizist Hector war sehr freundlich und hilfsbereit, er war erstaunt, dass ich die Gegend so gut kenne, da wir über die Wege und die Gegend sprachen (ich habe natürlich meine Hausaufgaben gemacht und die Karte genau studiert). Er wünschte uns eine gute Weiterreise und wenn etwas ist, dürfen wir uns bei ihm melden.
Nach der Kontrolle ging es 6km weiter bis nach Col. Silva. Die Sonne wurde immer stärker und brannte auf unsere Denkzentralen. Aus einem Tuch bastelte ich mir einen Kopfschutz, da die Gefahr eines Sonnenstiches oder Hitzschlags hoch ist. Dank den Kopftüchern erreichten wir das Dorf. Vor einem Laden wurden wir sehr herzlich empfangen und kamen sofort ins Gespräch mit den Einheimischen. Nach dem Einkaufen sprachen wir noch mit den Leuten, die sehr interessiert waren. Gegenüber vom Einkaufsladen ist ein Park mit Eukalyptusbäumen, unter diese legten wir uns. Michel brachte uns noch Wasser, Michel war ein Mann mit dem wir uns vor dem Geschäft unterhalten hatten. Michel blieb noch eine Weile bei uns, um zu plaudern. Der Mann heisst Miguel Angelo und wir glauben nicht, dass er das Potenzial seines Namens kennt. Der Mann erklärte und zeigte uns viel und durfte als Dank auf unseren Flaggen unterschreiben. Miguel ging nach Hause und wir konnten uns entspannen, Joness hatte ein paar neue Freunde. Auf seiner Matratze waren viele kleine rote Ameisen. Diese Ameisen zwicken sehr stark. Mich haben fünf Ameisen gebissen, aber die Matratze von Joness lockte die Dinger an und er wurde regelrecht gefressen. Er ließ die Matratze im Feld und legte sich neben mich aufs Tarp und konnte sich auch noch erholen.
Nach der Siesta liefen wir 7km weiter, ich wollte schon früher Feierabend machen. Aber als ich Joness singen und lachen hörte, lief ich weiter. Nach insgesamt 31 absolvierten Kilometer, war es dann aber auch genug. Bei einem Eukalyptuswald (unsere Lieblings-Bäume) hatten wir unseren Platz gefunden. Das Feuer machten wir neben der Strasse, da alles sehr entflammbar ist. Während wir unseren Tee tranken, hielt ein Auto auf der anderen Strassenseite und warf etwas aus dem Auto. Zehn Minuten später hielt das Auto bei uns und der Mann stieg aus und fragte ob wir die Wasserflasche gesehen haben. Er hatte eine Wasserflasche aus dem Auto geworfen und ist danach noch etwas einkaufen gegangen. Der Mann beschenkte uns mit einem Süssgetränk und Croissants. Solche Leute sind grossartig.
Wir konnten das Geschenk gut gebrauchen, wir kämpfen immer noch mit der Erkältung und die Sonne hat uns beide fertig gemacht, heute gehen wir beide früh ins Zelt, da es Morgen weiter geht.


















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