Es ist für mich unfassbar, wie gut ich im Zelt schlafe. Sogar besser als in einem Hostel, ich schreibe dies der frischen Luft zu und dass niemand betrunken ins Zimmer kommt. Diese Nacht war es zudem wärmer als in der vorherigen, und ich blieb trocken. Nachdem alles trocken im Rucksack verstaut war und ich gefrühstückt hatte, lief ich los. In der Dunkelheit waren einige Jäger unterwegs, die mich dank der Taschenlampe auch sahen. Da ich auf dem Weg blieb bestand auch keine Gefahr für mich. Durch die höhere Temperatur gegenüber gestern lief ich mit deutlich weniger Kleidung los und bald auch wieder nur im Shirt und mit kurzer Hose. Das herannahende Gewitter machte das Morgenrot besonders schön und einen Regenbogen sah ich auch noch.
Ich war sehr allein unterwegs und sah nur wenige Fahrzeuge. Nach einer Weile hörte ich ein Motorrad, welches sich mir langsam näherte und auf meiner Höhe anhielt. Der Motorradfahrer heisst Petr und ist aus Tschechien. Er fahre durch den Balkan und schlafe ebenfalls im Freien. Petr schenkte mir ein paar Trauben und wollte mir seinen alten Schlafsack geben, da es kalt in der Nacht sei. Dankend lehnte ich ab, da ich einen guten Schlafsack habe und kein zusätzliches Gewicht mitführen möchte. Petr fuhr weiter und ich war sehr dankbar über die Trauben. Nach dieser erreichte ich bald in ein Dorf und wusste, dass ich nach diesem Dorf 21km kein Dorf mehr antreffen werde. Ich schaute auf meinen Apps nach: der Regen verzögerte sich immer mehr, so ging ich weiter. Kurz danach legte ich eine Pause ein und ass mein Proviant. Auf meinem Weg sah ich viele Bauern mit ihren Tieren. Ich finde es grossartig: hier in Albanien kommt es vor, dass ein Mann mit einem Esel jemanden kreuzt der mit seinen zwei Kühen in die andere Richtung läuft und ein Weitstrecken-Wanderer wie ich gesellt sich dazu. Die Ziegenhirten schauten mich fragend an, weshalb ich laufe und nicht den Bus nähme. Mein Spickzettel-Albanisch half mir beim Erklären, doch einige dachten, ich würde sie veräppeln.
Nach gut 30km erreichte ich einen weiteren Stausee. Hier begegnete ich vier Männer, von denen einer mich auf Albanisch ansprach. Es dauerte eine Weile, bis ein anderer bemerkte, dass ich kein Albanisch verstehe, und sie wechselten zur englischen Sprache. Die Männer erklärten mir, dass die Strasse umgebaut wurde und ich eine andere Strasse nehmen müsse, da der Weg auf den Karten noch nicht angepasst worden sei. Die Männer waren sehr fasziniert von meiner Reise und fragten mich eine Weile aus. Nach diesem Austausch folgte ich dem Rat der Männer und lief den anderen Weg entlang, dieser führte eine Terpentinenstrasse mit 10% Steigung hinauf. Mich überholten drei Rennfahrer, deren Tempo ich annehmen wollte. Doch mein Rennen nützte nichts und die Männer zogen davon. Zuoberst angekommen war ich durchgeschwitzt. Wenn es bergauf geht, geht’s auch wieder hinunter. Beim Abstieg sprach mich ein Ziegenhirte an. Ich hatte zuvor mein restliches Brot mit Erdnussbutter gegessen, der Hirte schenkte mir glücklicherweise die Hälfte seines Mittagessens: Brot, Ziegenkäse und eine Tomate. Einige Tage zuvor hatte ich von Einheimischen Ziegenkäse gekauft, welcher mir gute Energie gab. Solche Momente werde ich nie vergessen.
Nach einer harten Etappe und einem verlängerten Weg erreichte ich nach 45km ein kleines Dorf namens Lozhan. Im kleinen Dorfladen kaufte ich für mein Mittagessen und für den nächsten Tag ein. Die Besitzer des Ladens waren sehr freundlich zu mir, sie erlaubten mir sogar meine elektronischen Geräte bei ihnen im Geschäft aufzuladen. Da ich bis dahin noch keine Siesta gemacht hatte, machte ich meine Pause neben dem Laden. Nach dem Essen schlief ich ein wenig und ging danach zurück zum Laden, um mit den Besitzern zu sprechen. Nach dem Kommunismus in Albanien konnten die Leute italienische Trickfilme und Radiosender empfangen, weshalb viele ältere Leute ein wenig Italienisch sprechen, so auch in diesem Fall. Die Besitzer des Ladens haben mehrere Obstbäume und gaben mir von ihrem eigenen Obst, alles war «Super-Bio», wie der Besitzer erklärte. Für die Nach sollte der langersehnte Regen niedergehen. Deshalb wählte ich die überdachte Nische neben als mein Nachlager. Die Besitzerin des Ladens übergab mir Kartons als zusätzliche Isolation. Es sollte in der Nacht nicht so kalt werden und ich möchte am Morgen nicht ein nasses Zelt zusammennehmen müssen. Während ich mich bettfertig machte, kamen drei Jungs vom Dorf zu mir und wir tauschten uns aus. Die Jungs sprachen gut Englisch und sie erzählten mir über das Leben in Albanien und dass sie ebenfalls einmal nach Deutschland gehen möchten, um zu arbeiten, da das Leben in Albanien ihnen keine Zukunft böte. Während wir uns unterhielten, kam ein älterer Herr vorbei, der mich zuvor schon gesehen hat und mir nicht vertraut hatte. Die Jungs erklärten ihm, dass ich nur gute Absichten hätte, doch der Mann blieb skeptisch. Die Jungs hatten noch Hausaufgaben zu erledigen weshalb sie bald gingen, und ich machte es mir bequem in meiner Nische, während es anfing zu regnen.
Ein grosses Dankeschön geht an meine Gaskartusche, die heute zum letzten Mal für mich mein Teewasser erwärmt hat. Diese Gaskartusche hatte ich seit dem ersten Tag dabei und da ich so sparsam war, wurde sie erst heute leer. Natürlich muss ich jetzt nicht kalt essen, ich habe seit Kroatien eine Ersatzkartusche dabei.









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