Mein Schlafplatz sah vielleicht nicht komfortabel aus, aber ich schlief sehr gut und die Hauptsache war, dass ich trocken blieb. Ein weiterer Vorteil war, dass ich morgens mein Zelt trocken zusammenpacken konnte. Um 5 Uhr morgens startete ich. Leider konnte ich nur zehn Minuten im Trocken laufen, danach fing es an zu regnen. Natürlich war ich bereits mit Regenausrüstung gestartet. Ich habe kein Problem im Regen zu wandern, ich mag es nur nicht, wenn ich unter der Regenjacke- und Hose anfange zu schwitzen. Doch das war bereits nach dem Sonnenaufgang der Fall. Glücklicherweise legte sich der Regen irgendwann, so dass ich mich der Regenkleidung entledigen konnte. Bis zum nächsten grösseren Dorf lief ich auf Naturstrassen, welche durch den Regen sehr matschig wurden, weshalb ich mehrmals wegrutschte.
Die Stadt Korça liegt im südöstlich Teil Albaniens und ist eine sehr schöne Stadt, zurzeit eher noch ein Geheimtipp. Früher auf meiner Reise hatte ich geplant, die Stadt zu besuchen, doch vor einigen Tagen erschien es mir wichtiger, direkt nach Griechenland zu laufen. Da ich ziemlich durchnässt war und mir dachte «eine Dusche und alles zu trocknen wäre schön» änderte ich meinen Plan und entschloss heute doch nur die 27km bis Korça zu gehen und dort in einem Hotelzimmer zu übernachten. Dank der moderner Technik buchte ich mir kurzerhand ein Hotelzimmer. Auf dem Weg nach Korça lief ich zuerst nach Maliq. Als ich dort an einem Restaurant vorbeilief, riefen mir Gäste zu, ich soll mit ihnen einen Kaffee trinken. Da ich heute keinen Zeitdruck hatte, nahm ich die Aufforderung an und gönnte mir einen Espresso. Zu diesem wurde mir ein 3dl Glas mit einer durchsichtigen Flüssigkeit serviert. Vorsichtig schnupperte ich am Glas und war froh, dass es Wasser war. Es kommt schon mal vor, dass die Leute am morgen früh bereits 3dl Raki (hochprozentiger Schnaps) trinken. Einmal mehr half mir die italienische Sprache um mich zu verständigen. Nach der kurzen Plauderei und einem höflichen Dankeschön ging ich weiter. Anscheinend begann bald der Schulunterricht, denn ich begegnete mehreren Kindern. Für mich war es sehr interessant auch so einen Einblick ins Leben der Einheimischen zu erhalten.
Ausgangs des Dorfes riefen mir wieder Männer zu, die Kaffee tranken. Da der Regen wieder anfing, machte ich auch hier einen Boxenstopp. Einer der Männer sprach sehr gut Italienisch, was er sich selbst beigebracht habe, wie er mir erzählte. Die Männer fanden es erstaunlich, wie so viele denen ich begegne, dass ich allein unterwegs sei. Für mich ist meine Reise, das Normalste für mich und auch sehr einfach.
Die heutige Ziel-Stadt sah ich schon sehr bald. Dank der Koffeinüberdosis, da ich sonst nie Kaffee trinke, war ich wie auf einem anderen Stern und genoss den Weg. In der Stadt angekommen sah ich ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen. Wir kamen ins Gespräch. Die zwei lieben Leute beschenkten mich mit einer Pite und Früchten, obwohl ich zuerst gar nicht wollte. Die Menschen, die ich treffe, sind sehr lieb, unabhängig deren Nationalität oder Hautfarbe, Mensch ist Mensch.
Bei meinem Eintreffen am Hotel war dieses noch abgeschlossen. Auf einer Parkbank nahm ich etwas zu mir. Nach 11 Uhr versuchte ich es erneut, diesmal mit Erfolg. Die Besitzerin öffnete die Türe und ich durfte mein Zimmer umgehend beziehen. Ich begann sofort meine Kleidung zu waschen und im Zimmer aufzuhängen, damit bis morgen hoffentlich alles trocken ist. Nachdem ich mich selbst ebenfalls gewaschen hatte, lief ich durch «Little Paris», so wie Korça hier auch genannt wird weil die Stadt ähnlich aufgebaut sein soll wie die französische Hauptstadt. Eine der Sehenswürdigkeiten ist die orthodoxe Kirche. Sie steht im Stadtzentrum und ist wunderschön anzuschauen. Es ist schwierig für mich, diese Kathedrale zu beschreiben, zum Glück habe ich Fotos gemacht. Anschliessend schlenderte ich durch die Gassen und besuchte ein Minarett. Bis hierhin hatte ich während dieser Reise noch keine Moschee betreten, da ich die Regeln nicht kenne und nichts falsch machen möchte.
Zum Mittagessen leistete ich mir eine Pizza und kaufte eine Jogginghose. Solch eine bequeme, warme Hose ist gut um am Abend im Zelt zu liegen. Ich zog sie bereits am Abend an, um essen zu gehen. Ich fiel nicht auf, da hier viele Menschen Jogginghosen tragen. Doch es war ein ungewohntes Gefühl, warm an den Waden zu haben, da ich schon eine lange Zeit keine lange Hose mehr trug. Nach dem Abendessen ging ich zurück ins Hotel und sprach noch ein wenig mit der Hotelbesitzerin. Durch solche Gespräche lerne ich sehr viel über die Leute und das Land. Zum Tagesabschluss genoss ich meine Zeit im Zimmer. Morgen Abend werde ich bereits in Griechenland sein. Ich bin unglaublich dankbar für die Erlebnisse und freue mich auf morgen. Ich habe immer noch Kontakt mit den Personen, welche ich auf der Reise traf und ich finde es toll, wie die Bekanntschaften meine Reise verfolgen.









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