Tag 58: San Justo-Cabal

Es ist mittlerweile schon speziell, dass wir unseren Schlaf nicht mehr finden. Joness und ich sind beide nicht begeistert von den Klimaanlagen, da wir uns am Morgen immer schlecht fühlen. Diese Nacht liessen wir die Apparatur ausgeschaltet und öffneten das Fenster. Es nützte alles nichts und trotz den Betten schliefen wir unruhig. Wir hoffen beide auf die Pause in Santa-Fe, dass wir uns erholen können. Dort werden wir voraussichtlich zwei Nächte bleiben.

Trotzdem ging es um 05Uhr los und wir waren motiviert. Die Sonne zeigte sich wieder einmal von ihrer schönsten Seite. Wir kamen sehr gut voran. Joness nahm das Tempo heraus aufgrund der Temperatur und ich lief vorne weg. Gemäss der Wettervorhersage waren für heute 42Grad geplant. Weshalb wir auch genug tranken und unsere neuen Kopfbedeckungen trugen. Die Hüte halfen sehr und so konnten wir trotz der Hitze einen kühlen Kopf bewahren. Joness und ich passierten noch zwei Dörfer mit helvetischem Ursprung, San Bernardo und Helvecia. Meine Mutter sagt immer: «Schweizer hat es  überall» und wie so oft hat sie Recht. Auch in Argentinien gibt es Schweizerkolonien. Am Vormittag liefen wir zwei Wandervögel 27km in fünf Stunden, womit ich sehr zufrieden bin, da diese drei Tage bis nach Santa-Fe unser letzter Testlauf ist, bevor es an den Schlussspurt geht. In der Mittagspause versuchten wir zu schlafen, was mit mässigem Erfolg gekrönt war. Das Positive ist, dass wir nicht mehr müde sind und uns wirklich noch erholen konnten.

Wir spürten die Mittagssonne, fanden aber Schatten unter einer Pinie. Nach 15Uhr packten wir unser Material zusammen und machten uns auf. Am Nachmittag waren noch sieben Kilometer geplant. Als wir keine 500Meter zurückgelegt hatten, fuhr ein VW Polo vor mir an den Strassenrand. Ich lief zu der Fahrerin und sie war so freundlich und nahm uns 10km mit. Während der Autofahrt sahen wir, dass 45Grad gemessen wurden. Wir beide waren so hohen Temperaturen zuvor noch nie ausgesetzt. Die freundliche Fahrerin lud uns an einer Kreuzung aus und wir liefen zu einer Bar eine Strasse weiter. Die Bar war geschlossen, wir fanden aber hinter dem Haus Wasser und einen Orangenbaum. Joness pflückte Orangen und ich füllte unsere leeren Wasserflaschen auf. Nach der Fahrt liefen wir noch fünf Kilometer weiter. Während diesen fünf Kilometern bekamen wir noch Wasser von sehr freundlichen Leuten. Für diese Leuten ist es eine kleine Geste, für uns bedeutet das so viel.

Nach insgesamt 42 zurückgelegten Kilometern und effektiv 32 gelaufenen, machten wir Feierabend. Die Aufgabenverteilung ist mittlerweile klar geregelt, Joness stellt das Zelt auf und ich entfache das Feuer und koche das Wasser für den Tee. Beim Kochen des Abendessens wechseln wir uns immer wieder ab. Heute kochte ich und Joness hat abgewaschen. Nach dem Abendessen kam noch ein Mann vorbei und brachte uns Wasser. Sehr verunsichert fragte der Mann, ob wir keine Toilette haben. Wir sagten ihm nicht direkt, das die Natur unser Badezimmer ist, aber er konnte es sich denken.

Der Tag hat mit einem wunderschönen Sonnenaufgang begonnen und er hat mit einem wunderschönen Sonnenuntergang geendet.

Wir dachten, dass es das gewesen ist, aber es kam alles noch anders als gedacht.

Joness und ich lagen im Zelt, als ein Polizeiauto bei uns anhielt. Drei Polizisten liefen zu uns und kontrollierten uns. Die Kontrolle lief anders ab als sonst. Joness und ich mussten sofort unsere Rucksäcke auspacken und alles auf den Boden legen. Unsere Pässe wurden von einem Polizist kontrolliert und zwei Polizisten durchsuchten unser Material. Unsere Fragen wurden nicht beantwortet und wir wurden sogar ins Zelt geschickt. Nach ein paar Minuten konnten wir aus dem Zelt heraus, da wir ihnen unsere Gegenstände zeigen mussten. Unsere Messer wurden uns weggenommen, da diese Waffen seien gemäss dem Polizisten. Ich konnte dies überhaupt nicht verstehen, da Joness sein Messer geschenkt bekam von einem Mann aus Margarita. Meine Worte machten alles nur schlimmer. Joness und ich wussten nicht was da ablief. Joness wurde nach Papieren oder einer Quittung für die Drohne gefragt, da hatten wir schon ein schlechtes Gefühl. Die Polizisten schirmten uns immer wieder ab oder lenken uns sogar ab. Nach der Kontrolle sagten sie, dass sie uns an einen «besseren» Platz fahren werden, wo es ein Waschraum hat. Wir zwei mussten tun, was die Polizisten sagten. Zum Zusammenpacken hatten wir keine Zeit, wir wurden gedrängt und der eine Polizist rief immer wieder, dass wir zu langsam sind. Der Rucksack von Joness wurde von einem Polizisten weggenommen und eingeladen während wir das Zelt einpackten. Joness und ich sassen auf der Laderbrücke des Pick-Ups mit unseren Rucksäcken und einem Polizisten und die anderen Zwei sassen vorne. Wir fuhren 15km und hielten danach auf einem Feldweg. Beim Ausladen sagten uns die Polizisten, dass es an der Hauptstrasse einen Platz hat, wo wir schlafen und uns waschen können. Wir sahen ein Gebäude und liefen dort hin, das Polizeiauto verschwand dann in der Dunkelheit. Das Gebäude, das wir sahen war eine Imbissstädte für Lastwagenfahrer und nicht das was die Polizisten versprachen. Joness und ich sprachen nichts und stellten unser Zelt direkt neben der Hauptstrasse auf und legten uns schlafen.

Schreib einen Kommentar

0 Kommentare

Kommentar Schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert