Tag 59 Kottas- Sitaria

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29.09.2022

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In der Nacht fielen die Temperaturen unter 10Grad, im Schlafsack war ich dick eingepackt und hatte so nicht kalt. Mühsam wurde es als der Wecker klingelte und ich musste mein warmes Nest verlassen. Beim Start hatte ich noch viele Kleidungsstücke an, die ich nah bis nah abzog. Da Griechenland eine Zeitzone weiter ist als Albanien, aber die Sonne genau gleich aufgeht ist es am Morgen eine Stunde noch länger Dunkel da ich immer noch um 05Uhr starte (Albanien 04Uhr). Ich überlegte es mir, später zu starten, aber ich mag es so, da habe ich am Abend eine Stunde mehr Tageslicht und kann meine Sachen trocknen. Ein anderer Vorteil eine Stunde länger Dunkelheit zu haben, sah ich Heute. Beim Laufen hatte ich einen Wunderschönen Sternenhimmel über mir und ich sah mehrere Sternschnuppen, bei denen ich mir was wünschte.

In der Dunkelheit ging es zuerst Bergauf und danach wieder hinunter. Beim Bergauf gehen schwitzte ich stark und als ich beim Sessellift und dem Skigebiet ankam, zog ich wieder meine Jacke an, da ich mich nicht erkälten möchte. Beim Abstieg ging es durch einen Wald und natürlich dachte ich immer wieder an die Bären, aber das einzige Wildtier was ich sah, war ein Fuchs. Bis zum Mittag wollte ich in Florina sein, eine Stadt, in der ich mir eine Sim-Karte holen konnte. Auf dem Weg dorthin lief ich durch eine Vorstadt. Ich lief an einer Schafherde vorbei und suchte schon den Hirtenhund, da die sehr gefährlich sein können. Als ich fast an den Schafen vorbei war, hörte mehre Hunde bellen. Es rannten fünf Hirtenhunde auf mich zu! Normalerweise stoppen die Hunde am Ende des Feldes, da ich auf der Strasse lief und nichts Falsches gemacht habe. Die Hunde rannten weiter auf mich zu und in dem Moment schaltete ich die Kamera ein, da ich dachte die Hunde zerfleischen mich und dass ich ein Beweis hätte. Die fünf Hunde kamen bis einen halben Meter vor mich heran und wollten mich weghaben. Ich schrie sehr laut, da ich Hilfe brauchte, ich hatte riesige Angst in diesem Moment und dachte wirklich ich erwachte danach im Spital! Die Hunde hetzten mich zur Seite, aber danach standen alle fünf um mich herum und versuchten mich anzugreifen. Hinter mir war ein Wall und vor mir die fünf Hunde, die ich versuchte mit meinen Wanderstöcken auf Abstand zuhalten. Der Hirte war allmählich auch gekommen und rief den Hunden, aber die hörten vor lauter Gebelle und Geknurre nichts. Auf einmal erschien mein Retter. Ein Autofahrer fuhr durchs Dorf und sah mich in der misslichen Lage, der Autofahrer hielt voll auf die Hunde und fuhr zwischen die Hunde und mich und gab mir so Schutz. Danach konnte der Hirte die Hunde zurückrufen und ich kotzte fast vor Aufregung. Ich ging sofort weiter und vergass dem Autofahrer zu danken, aber dieser war beschäftigt dem Hirten lauthals die Meinung zu sagen. Ich zitterte lange und kam mit der Aktion nicht klar.

Am Ende des Dorfes begrüsste ich ein Mann und eine Frau und die Frau winkte mich zu ihr, sie gab mir einfach so zwei Äpfel und ich war unglaublich dankbar, da ich den Frucht Zucker gut gebrauchen konnte. Eine kurze Frage: «würdet ihr einem Mann, den ihr nicht kennt einfach so zwei Äpfel aus eurem Garten schenken?» Die Leute hier tun es, ohne Vorurteile.

Als ich in Florina ankam ging ich in den Vodafone Shop und kaufte eine Sim-Karte für Griechenland. Ich fragte die Verkäuferin: «ob es hier gefährlich ist aufgrund der Bären?» Die Verkäuferin antwortete mit: «Ja, vor allem in den Bergen und den Dörfern, vor einem Monat sei ein Bär in ein Dorf gelaufen und hätte fast ein Auto gerammt»! Beruhigt hat mich das Gespräch nicht, aber ich bin ja kein Auto. Nach dem ich für Griechenland eine Karte hatte, lief ich noch ein wenig weiter und traf auf zwei Fahrradfahrer aus Holland. Wir tauschten uns über die Erfahrungen aus und natürlich erzählte ich was mir passiert sei, ich wollte sie nicht beunruhigen aber sensibilisieren. Da es am Morgen sehr kalt war und ich danach schwitzte, warm hatte uns mit dem Vorfall mit den Hunden war ich komplett neben den Schuhen und kaufte bei einer Bäckerei Gebäck ein und legte mich in einen Park und verarbeitete alles.

Die Siesta half mir, aber auch das Schreiben mit Freunden, nach der Pause war ich wieder der alte und es konnte wieder weitergehen. Am Ende der Stadt besuchte ich einen Lidl, vor dem Geschäft deponiert ich meinen Rucksack vor dem Geschäft. Ein Mann sprach mich an, der natürlich auch Deutsch konnte. Er sagte mir och soll meinen Rucksack in den Eingangsbereich mitnehmen, da es vorkommen kann, dass mein gesamter Rucksack gestohlen wird. Da ich in letzter Zeit in kleinen Dörfern unterwegs war, war ich mir das Risiko gar nicht mehr bewusst und ich kann es mir nicht leisten meinen Rucksack zu verlieren, da dort noch alles drin ist was ich noch Besitze.

Nach der Einkaufstour lief ich noch Zehn Kilometer weiter und auch an Feldern und Weiden vorbei. Als ich auf eine Kuhherde zu lief, sah ich schon von weitem, dass mich der Hund unbedingt kennenlernen möchte. Ich blieb stehen und der Hund auch, ich wartete ab, bis die Bauern den Hund zurückgerufen hatten und mir das «Okay» gaben. So war es danach kein Problem weiterzugehen. Nach insgesamt 49km erreichte ich Sitaria und ich Fans neben der Orthodoxen Kirche einen Unterstand, der für mich perfekt ist. Als ich am Essen war, war noch Messe in der Kirche. Als die Leute die Kirche verliessen fragten einige «ob ich etwas gebrauchen könnte» und «ob alles gut ist?»

Der Tag hatte Höhen und Tiefen, wie ein normaler Arbeitstag auch. Deswegen lass ich mich nicht verunsichern und freue, mich auf Morgen.

Die Griechische Sprache kann ich noch nicht Einordnen, für mich klingt es wie Finnisch und Portugiesisch. Auch hier werde ich noch einen Zettel schreiben mit den gängigsten Wörtern.

Als ich am Einschlafen war, kam plötzlich ein Mann mit Taschenlampe zu mir in der anderen Hand, hatte er einen Plastiksack. Als sich der Mann mir näherte erkannte ich den Mann. Er und seine Frau waren nach der Messe noch zu mir gekommen und hatten mit mir gesprochen. Der Mann brachte mir einen Plastiksack voll mit Lebensmittel. Die Familie schenkte mir: Zwei Stücke (noch warme) Pizza, Brot, Schafskäse, zwei gekochte Eier, eine Banane, eine Cola Dose und eine Wasserflasche. Ich war überwältigt von der Gastfreundschaft und vergoss fast eine Träne aus Freude. Ich bedankte mich Tausend-Mal und der Mann und ich verabschiedeten uns.

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