Ich wusste es, dass es in der Nacht regnen soll, aber mit so einem Sturm und Gewitter hatte niemand gerechnet. Nach Mitternacht zog das Gewitter heran, es stürmte so fest, dass die Alarmanlage eines Autos anging. Obwohl mein Zelt mit Tarp ziemlich instabil ausschaut, hatte die Konstruktion bis dahin noch gut gehalten. Um 01Uhr war dann das Gewitter über mir und ein Blitz schlug ein paar Hundert Meter neben dem Zelt ein. Wirklich Angst hatte ich nie, da neben mir eine Kirche und hinter mir ein Haus stand und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blitz ins Zelt einschlug, war Wirklich klein. Vom Schlafen war in dieser Zeit nicht zu denken, da die Blitze die Umgebung immer wieder beleuchteten und danach kam ein lauter Knall, wenn die Blitze nahe einschlugen spürte ich den Boden vibrieren. Das Ganze hielt keine 10 Minuten an und danach beruhigte sich die ganze Lage und ich schlief weiter. Als um 03Uhr das ganze nochmals anfing löste sich das Tarp auf einer Seite und ich wurde leicht Nass. Während des heftigen Gewitters und des Sturmes drehte einmal der Wind und es regnete in mein Zelt, weshalb ein paar Schuhe nass wurden. Um 04Uhr war es dann trocken und ich konnte alles zusammenpacken. Eine andere Option Während gewesen unter dem Vordach der Kirche zu schlafen, aber dann wäre ich komplett Nass geworden da die Offene Seite Richtung Westen stand und von dort sehr viel Wasser kam. Ich startete mit den Wanderschuhen, da diese trocken blieben und auch der Boden sehr nass war.
Für den heutigen Tag standen 32km bis nach Thessaloniki auf dem Plan. Schleppend kam ich vorwärts und es war zäh, die Motivation fehlte und ich wusste, dass ich eine Pause bitter nötig habe. Der Sonnenaufgang war wieder fantastisch und ich genoss den Moment mittels einer Pause. Das ich nicht alles an der Hauptstrasse entlanglaufen musste, wählte ich meinen Weg so, dass ich den grössten Teil über Landwege und ausserhalb laufen konnte und so auch meine Ruhe hatte. Als es nur noch 10km bis in die Stadt war, legte ich nochmals eine Pause ein und stärkte mich. Die Pause tat mir sehr gut und auch dass ich die Schuhe gewechselt hatte, half zusätzlich. Nach sechs Stunden, inklusive Pausen erreichte ich dann die Stadt und ich stellte fest, der Sonntag wird in Griechenland sehr ernst genommen. Es war sehr ruhig und ich sah auch nicht viele Leute auf der Strasse. Was den Einmarsch für mich leichter machte. Kurz vor dem Hostel kam ein Bettler zu mir und fragte mich nach Geld, als ich ihm sagte: «dass ich selbst auf der Strasse schlafe» zog der Mann seinen Hut zurück und liess mich in Ruhe. Ich setzte mich erstmals als ich das Hostel erreichte und trank etwas. Für das Mittagessen fand ich ein Lokal, welches nicht geschlossen war und konnte meinem Körper etwas zurückgeben. Von dem Restaurant bis ins Hostel ging es ein wenig den Berg hinauf und ich spürte, wie sehr Mühe ich hatte und meine Beine auch nur schlafen wollten. Da ich noch nicht Einchecken konnte, trocknete ich meine nassen Sachen auf dem Balkon und pflegte meine Füsse. Da mehrere Tage ein Stein in meinem Schuh war und der am grossen Zeh gerieben hatte, war alles voller Blut, welches in reinigen musste. Ausserdem ist mein Fuss oberhalb des rechten Knöchels geschwollen und ein Zehennagel gebrochen. Für mich normal und gehört dazu.
Den Rest des Tages entspannte ich und schlief. Nach dem Abendessen traf ich mich noch mit zwei Herren vom Hostel und wir besuchten ein kleines Festival, welches in den Strassen von Thessaloniki stattfand. Ich blieb nicht lange und bewegte bald meinen Körper zurück ins Hostel und danach ins Bett, um die Batterien wieder aufladen zu können.
In den letzten 9 Tagen lief ich von Tirana nach Thessaloniki, in diesen Tagen legte ich über 387km zurück, was bedeutet das ich mindestens im Schnitt jeden Tag 43km zurückgelegt habe. Die letzten neun Tage waren aber auch besonders gefährlich, da ich durch Bären und Wolf Territorien lief und mehrmals Bären Kot fand, ausserdem war noch die Aktionen mit den Hunden und das Gewitter. Ich nehme mir vor für den Rest der Reise ein wenig sicherer unterwegs zu bleiben. Es gab aber auch so viele positive Aspekte, ich wurde reichlich beschenkt und von den Leuten gut behandelt. Ich erhole mich erstmals und bleibe drei Nächte in Thessaloniki, bis es weiter geht.









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