Um Mitternacht erwachte ich wegen einem vorbeilaufenden englischen Paar, welches Streit hatte. Da das Paar auf der Höhe meines Zeltes hielt und sich weiterhin anschrie, machte ich mich bemerkbar und sagte in Englisch «könnt ihr bitte leise sein, es gibt Leute die wollen schlafen». Der Mann verstand mich und entschuldigte sich, «Lizzy» rannte davon. Ein wenig später hörte ich noch «Policia» und der Mann musste mit der Polizei sprechen, ich konnte weiter schlafen.
Am Morgen beeilte ich mich mit dem Zusammenpacken, da ich nicht weiter von den Mücken gestochen werden wollte. Dieses Mal benutzte ich das rote Licht meiner Stirnlampe, so dass möglichst kein Insekt mehr dachte ich sei die Sonne. Weil mein Wasser aufgebraucht war, startete ich ohne. Um Zeit zu sparen frühstückte ich unterwegs. Auf dem Weg traf ich auf ein Restaurant, bei dem die Türe offen stand. Als ich hin schaute sah ich einen Mann und fragte nach Wasser. Der Mann willigte mürrisch ein, ich bekam die Flasche gefühllos und er war froh, dass ich wieder ging. Auf mein «Grazie mille» reagierte er gar nicht. Mit Wasser ging es weiter Richtung Bergamo, den ganzen Vormittag nur der Hauptstrasse entlang, was mir überhaupt nicht gefiel. Überall lag Dreck, die Menschen waren zum Teil unfreundlich und man musste aufpassen nicht überfahren zu werden. Trotzdem kam ich gut vorwärts. Nach 30km fand ich in Calco ein super Siesta Plätzchen. Es war ein Gemeinde-Spielplatz, dort fand ich Schatten, Trinkwasser und Internet. Da ich noch nicht im Besitz einer italienischen Sim-Karte bin, konnte ich hier nun Freunden und Familie schreiben, dass ich noch lebe. Während meiner Pause kam der Gärtner des Platzes vorbei und sprach oder scherzte ein bisschen mit mir. Ich genoss es sehr, es war meine erste Unterhaltung in Italien mit einem Einheimischen ausser dem mürrischen Restaurantbesitzer.
Um vier Uhr am Nachmittag bei 38° beendete ich meine Siesta. Ich änderte meine geplante Route und lief vermehrt durch Vororte und Nebengassen. Ein guter Entscheid, ich kam am Nachmittag mehr ins Gespräch und die Umgebung war auch schöner. Ein junger Mann fragte mich, was ich mache und als ich ihm meinen Plan erzählte, viel er fast aus dem Auto und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Nach insgesamt 38km erreichte ich Pontida und ich sah neben der Kirche einen geeigneten Platz für mich. Meinen Einkauf vergass ich, wahrscheinlich durch die Wärme und die vielen Kilometer. Zu meinem Glück erhielt ich in der Bar neben der Kirche eine Pizza, so ersparte ich mir sogar noch das Kochen und Abwaschen. Schnell kam ich ins Gespräch mit den Gästen in der Bar. Als Martino erfuhr, dass ich bis nach Istanbul zu Fuss gehen wolle, erzählte er es allen Gästen. Schnell waren alle an mir interessiert und ich konnte mein Italienisch praktizieren. Martino bot mir an, bei ihm zu schlafen. Da ich aber wieder früh los möchte und dann in Bergamo eine Pause einlegen wollte, lehnte ich das freundliche Angebot höflich ab. Der Barbesitzer bot mir die Toiletten an, da ich nicht weit von meinem Zelt bis zur Bar hatte. Italien startete für mich nicht so gut, doch heute hatte ich so liebe und tolle Gespräche, dass ich mich auf mehr Italien freue.
Zum Abschluss des neunten Tages kam es zu einem Kampf ums nackte Überleben – in mein Zelt kamen fünf Mücken mit. Diese Mücken machten dann Bekanntschaft mit meiner gewalttätigen Seite. Auf eine gute Nacht.









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